Praktisches Beispiel für eine neutestamentliche Gottesdienstfeier

Im Rahmen von „Band of Brothers and Sisters“ hatten wir ein zweites öffentliches Treffen am 09.März 2019 (Bericht) im Café Mandelzweig.

Was passierte da?

Zwei Brüder kümmerten sich um die Moderation. Nicht dominant, sondern unterstützend. Hilfreich.

Wir lobten Gott mit Liedern, hatten Gebetszeiten, eine Mittagspause, es gab Inputs, Fragen und das Mitteilen von Eindrücken, und zum Schluss hin beteten für wir Einzelne. Alles auf Augenhöhe. Ob normales Gemeindemitglied, Pfarrer, Gebetsleiterin oder als Apostel… eine Hierarchie wurde nicht deutlich.

Die Zeit von 10:00 Uhr bis ca. 15:45 Uhr verging schnell, inklusive einer Mittagspause von ca. 35 Minuten.

So ähnlich lief schon das Treffen im Dezember.
Auf Augenhöhe, spirituell, flexibel, respektvoll, lebendig.

Ich denke darüber nach, warum wir eigentlich diese Treffen haben.
Ganz am Anfang stand das Interesse daran, sich mit anderen darüber auszutauschen, wie das Reich Gottes in Berlin-Brandenburg wachsen kann.
Dieses Interesse habe ich noch immer.

Aber dienen diese Treffen dafür?

Was ich auf jeden Fall feststelle, ist das:
Wie diese Treffen ablaufen, so stelle ich mir die neutestamentlichen Gottesdienstfeiern vor. Jeder hat was dazu beizutragen. Aber keiner muss. Es gibt einen groben Rahmen. Einzelne Geschwister sorgen dafür, dass Raum für das Wesentliche ist. Es gibt die gemeinsame Ausrichtung auf Gott. Wir hören auf Gott und aufeinander. So lernen wir zusammen. Das ermutigt, erfreut und erfüllt. Der Sehnsucht nach Gottes Gegenwart wird Raum gegeben. Das allgemeine Priestertum aller Gläubigen wird gelebt.

Ferner sehe ich das:
Wenn sich Christen aus verschiedenen Gemeinden, Denominationen und Diensten treffen, um gemeinsam vor Gott zu treten und voneinander zu lernen, dann hat das Ausstrahlung. Ekklesia findet statt: die Erlösten in einer Region treffen sich, um in der geistlichen Welt etwas zu bewegen.
Wie, wann, was genau bewegt wird, ist dann auch Gottes Sache.

Insoweit sind solche Treffen ein Statement. Sie setzen ein Zeichen.
Vergleichbare Treffen kenne ich bisher nicht aus Berlin-Brandenburg (was nichts heißen muss; eventuell gibt es solche Treffen auch woanders, aber ich weiß halt nichts davon).

Was nehme ich mit?
Ich wünsche mir solche Treffen für alle Gemeinden, die es hierzulande gibt. Ich bin überzeugt, dass diese Art zigmal mehr bereichernder ist als herkömmliche Gottesdienstfeiern, die frontal programmiert sind.

Eine Frage bleibt aber:
Kommt das Reich Gottes deshalb zu den Menschen in Berlin-Brandenburg?

Ich würde bis dato sagen:
Nicht direkt. Höchstens durch die Ermutigung des Einzelnen. Bislang dienen diese Treffen mehr der gegenseitigen Ermutigung und der persönlichen Erfüllung.

Da das alles Neuland für mich ist, habe ich aber kein anderes „Konzept“.

Das ist meine aktuelle Perspektive:
Gottes Bewegung startet immer mit Seinem Volk.
Deshalb macht es Sinn, diese Treffen zu haben. Sie können in die existierenden Leben und Gemeinden ausstrahlen.
Möglicherweise liegt darin der Kern:
Die Ansprache Einzelner bedeutet, dass der Dienstauftrag und die Berufung von Christen deutlicher wird, gestärkt wird und sie mit mehr Zuversicht gemäß ihrer Gaben leben können.

Wenn diese Stärkung an Fahrt gewinnen soll, dann brauchen die Treffen diesbezüglich noch bestimmte Frage-Elemente:
– Was ist dein Dienstauftrag (deine „Berufung“)?
– Wie lebst du das?
– Wie passt das in das Reich Gottes?
– Welche Hilfe können wir dir geben, um gemäß dieses Weges zu leben?
– Was steht demnächst auf deinem Weg an, wofür wir beten können?


Eventuell würden diese Fragen den Treffen noch mehr Dynamik verleihen.

Wie könnten diese Fragen eingebaut werden – nicht übergriffig, sondern dienend?

So bin ich echt dankbar, gespannt und hoffnungsvoll. Der Start ist absolut gut!

Wie lebendig ist deine Gemeinde?

Ich habe eine erschreckende, ernüchternde und hoffentlich nicht zu arrogante These:

Die meisten Gemeinden in Berlin-Brandenburg wachsen nicht wirklich.

Ich muss erwähnen, dass ich keine genauen Zahlen habe. Ich habe nicht mit jeder Gemeinde ein Interview geführt. Ja, es handelt sich nur um ein Bauchgefühl, geboren aus meiner Wahrnehmung der letzten 20 Jahre in dieser Region.

Was verstehe ich unter „Wachstum“?

An dieser Stelle meine ich tatsächlich das Zahlenwachstum. Wieviel Bekehrte? Wieviel Bekehrungstaufen? Ich meine nicht das sogenannte Transferwachstum, wenn Christen aus anderen Gemeinden bei einer neuen Gemeinde andocken. Das kann vereinzelt Sinn machen, aber es gleicht mehr der Adoption eines Kindes statt der Geburt eines eigenen Kindes.

Natürlich kann es auch ein qualitatives Wachstum geben: die wachsende Erkenntnis von Gottes Liebe. Wachsende Liebe zu Gott und Menschen hin. Aber das dürfte noch schwerer zu messen sein. Und mir ist das qualitative Wachstum zunächst lieber als das rein zahlenmäßige. Und doch weist jedes quantitative Bekehrungswachstum darauf hin: Wieder hat jemand Gottes Liebe erkannt und konnte Erlösung empfangen! Wie großartig!

Ich habe eine Checkliste erstellt. Auch aus dem Bauch raus. Mit diesen Fragen soll Klarheit geschaffen werden, ob eine Gemeinde stagniert, stirbt oder fruchtbar ist. Diese Checkliste kann hier als pdf runtergeladen werden: Lebendigkeits-Checkliste für Gemeinden.

Hier sind die Fragen:

Wieviel Neubekehrte gab es in der Gemeinde im letzten Jahr?

Wie ist die Mitgliederentwicklung in den letzten zehn Jahren?

Wieviel fremde Besucher kommen pro Sonntag, weil sie die Gottesdienstfeier gut finden?

Wieviel Gemeinde-Gruppen setzen sich direkt für die Mission ein?

Wieviel Prozent der Mitglieder kommen zu den Gebetstreffen?

Wieviel Menschen hast du im letzten Monat das ganze Evangelium erzählt?

Wieviel Hauskreise/Gruppen sind im letzten Jahr entstanden?

Wieviel Hauskreise/Gruppen haben im letzten Jahr Zuwachs an Teilnehmern?

Wieviel Hauskreise/Gruppen treffen sich seltener als am Anfang oder sind beendet worden?

Wie setzt du das im Alltag um, was du bei der Gottesdienstfeier gelernt hast?

Wieviel Menschen begleitest du, damit sie in der Nachfolge Jesu vorankommen?

Wieviel Menschen sind in den letzten drei Jahren durch besondere Gemeinde-Events zum Glauben gekommen oder sind dadurch Teil der Gemeinde geworden?

Wann hast du das letzte Mal eine Heilung oder Befreiung erlebt, weil du für jemanden gebetet hast?



Diese Fragen dienen dem eigenen Nachdenken und im besten Fall dem gemeinsamen Gespräch. Dabei geht es nicht darum, Gemeinden schlecht zu machen, sondern zu entdecken, wie Gott Seine Gemeinde lebendig und fruchtbar gestalten will.

Kurzer Einschub – Berliner Kirchengeschichte: Es gibt viel Gutes!

In Berlin-Brandenburg gibt es zwar offiziell noch viele Kirchenmitglieder (inkl. Freikirchler, Orthodoxe usw.), aber wie erörtert, handelt es sich mehrheitlich um Karteileichen. Schon seit über 100 Jahren ist die Anzahl der Gottesdienstteilnehmer im Vergleich zu den eigentlichen Mitgliederzahlen erschreckend gering.
Nun kann man den christlichen Glauben nicht alleine an der Teilnahme an einer Gottesdienstfeier festmachen. Doch selbst wenn man versucht, die Anzahl der Christen zu schätzen, die zwar Jesus folgen, aber nicht an regulären Gottesdienstfeiern teilnehmen, dann dürfte die Gesamtzahl von Christen nicht so viel höher liegen (ganz grobe Schätzung, nur beruhend auf persönlichen Beobachtungen: auf 10 Gottesdienstteilnehmer kommen vielleicht 1-2 Jesus-Nachfolger, die nicht an solchen Gottesdienstfeiern teilnehmen).

Das alles hat seine Gründe. Und viele Gründe könnten auch unbekannt sein. Einige der möglichen Gründe habe ich hier dargestellt: Warum nicht „Kirche“?

Und dennoch gibt es in Berlin-Brandenburg Kirchen!
Spätestens Ende des 1.Jahrtausends hat sich das Christentum hier entwickelt. Holzkirchen wurden gebaut. Auch das „Spandauer Kreuz“ ist ein Beleg für das Wachstum des christlichen Glaubens in unserer Region.
Später, zur Zeit Preußens, hat die hiesige Toleranz dazu geführt, dass Hugenotten und andere Glaubensflüchtlinge Zuflucht finden konnten.
Das zeichnet unsere Region eben auch aus:
Du darfst Christ sein. Du darfst dich entsprechend entfalten. Aber achte dein Gegenüber und dränge nichts auf!

Zur Zeit des 2.Weltkrieges wissen wir von der Bekennenden Kirche, die auch in Berlin, unter anderem in Spandau, verortet war. Kirchlicher Widerstand gegen die Nazi-Herrschaft!

Nach meiner Beobachtung ist nach dem Mauerfall noch mehr geistliches Leben entstanden: Bibelschulen wurden aufgebaut (oder befinden sich zur Zeit im Aufbau), Gemeinden wurden gegründet, Netzwerkdienste wie „Gemeinsam für Berlin“ sind entstanden – u.v.m.

All das macht auch Hoffnung auf mehr!

Nun hat Jesus nicht zugesagt, dass sich alle Menschen Ihm zuwenden werden. Das Gleichnis vom vierfachen Ackerfeld legt nahe, dass sich vielleicht nur 25% der angesprochenen und interessierten Menschen zu Nachfolgern entwickeln.

Insofern bleibt der christliche Dienst in Berlin-Brandenburg ein Dienst zwischen Ernüchterung und Hoffnung.

Warum nicht „Kirche“? Berliner Kirchengeschichte

Wie hier erwähnt („Warum sind wir so skeptisch gegenüber der Kirche?„), beschäftige ich mich mit der Berliner Kirchengeschichte. Ich will wissen, weshalb viele Berliner zwar tolerant, aber nicht wirklich für Kirche sind, oder mitunter auch gegen die Kirche sind.

Ich will hier keine Details formulieren. Die liest man am besten selber durch. Ein sehr empfehlenswertes Buch ist das Buch „Berliner Kirchengeschichte“ von Klaus Fitschen.

Aufgefallen sind mir diese Aspekte (ich betrachte an der Stelle nicht die positiven Ereignisse, sondern nur die kritischen):

Schon früh haben sich Herrschaft und Christentum miteinander verbunden. Wenn ein Slawenfürst zum Glauben kam, dann galt das auch für seinen Stamm. Auch deshalb gab es einzelne Auseinandersetzungen, die u.U. weniger gegen das Christentum an sich gerichtet waren, sondern mehr gegen den anderen Fürsten eines Stammes. Doch im Zweifel konnte ein Angriff auf einen christlichen Fürsten mit einem Angriff gegen den Andersgläubigen gleichgesetzt werden.

– In den folgenden Jahrhunderten verbanden sich säkulare Herrschaft und das Christentum immer mehr. Bis dahin, dass die entsprechenden Regierenden festlegten, wen die Kirche einstellen durfte und wen nicht.

– D.h.: In weiten Teilen der Bevölkerung mussten „Herrschaft“ und „Christentum“ in einem Atemzug genannt werden. Die Kirche bzw. die Kirchenoberen waren mehr der Herrschaftsseite zuzurechnen und weniger der Seite der normalen Bevölkerung.

– Als die Aufklärung Einzug hielt, war sie durchaus noch von den christlichen Werten geprägt. Werte wie „Ehrlichkeit“, „Fleiß“, „Achtung des Eigentums anderer“ u.ä. waren anerkannt. Aber mit der Aufklärung meinten bestimmte Menschen, dass diese Werte auch ohne Gott umsetzbar wären. Man konnte  ein „guter“ Mensch sein, ohne einen Kirchenbezug (und damit Gottesbezug) haben zu müssen.

– Selbst manche Theologen ließen sich von der Aufklärung insofern anstecken, als dass sie die Bibel als rein historisches Machwerk verstanden und weniger als ein göttlich inspiriertes Buch. Zwar wurden diese Theologen von anderen Theologen hart bekämpft, aber mit der Zeit setzten sie sich immer mehr durch. Dabei spielten eben auch die säkularen Herrscher eine große Rolle, da sie Hofprediger beschäftigten und manch wichtige kirchliche Positionen besetzen konnten. D.h.: Die Skepsis am eigenen Glaubensbekenntnis wuchs. Das wurde kommuniziert, womit Teile der Bevölkerung davon ausgehen mussten, dass manch Pfarrer der biblischen Botschaft nicht mehr glaubt.

– Mit dem Einzug der Industrialisierung und der zunehmenden Urbanisierung wuchs die Not der Menschen vorübergehend. Schlechte Wohnverhältnisse, Kinderarbeit, Prostitution aus Verzweiflung waren einige Folgen. Die Kirche bemühte sich zwar mit Suppenküchen und anderen Diensten. Allerdings kam sie personell kaum hinterher. Es gab zu wenig Pfarrer und Diakone für zu viele Menschen. Zudem gab es einige christliche Dienste, die die kirchliche Moral offensiv nach Außen trugen. So gingen manche Missionare von Haus zu Haus, auch, um Moralpredigten zu halten, wenn uneheliche Paare entdeckt wurden. So gab es Moral statt nachhaltiger praktischer Hilfe.

– Auch der 1.Weltkrieg scheint mir eine – hier aus kirchlicher Sicht – heftige Phase gewesen zu sein: Etliche Pfarrer plädierten für den Krieg und trieben in Predigten zum Kampf für das Vaterland an. Gewiss ein Resultat aus der Verquickung von säkularer und kirchlicher Macht.

Das sind nur einige Stichpunkte, ohne auch das verbrecherische Unterlassen und Tun weiter Teile der Kirche während des 2.Weltkrieges und des Umgangs mit jüdischen Menschen einzubeziehen (so weit bin ich in dem o.g. Buch noch nicht).

Wenn ich das zusammenfasse, dann stoße ich auf diese kritischen Aspekte:
1. Kirche zählte z.T. mit zu den Herrschenden. Das musste die Identifikation mit dem Volk erschweren.
2. Die Kirche sägte mit der Aufklärung nach und nach den Ast ab, auf dem sie saß: mehr und mehr zog sie ihre eigene Grundlage in Zweifel.
3. In Zeiten krasser Not half die Kirche zwar, wo sie konnte, aber die Mittel waren zu schmal.
4. Die Kirche trat punktuell als Moralprediger auf. Das zieht niemanden an.
5. Die Kirche trat für den Krieg ein. Sie heizte ein. Spätestens mit der grausamen Entwicklung des 1.Weltkrieges mussten die Kriegshetzerpredigten der Kirche auf die Füße fallen.

Schon Anfang des letzten Jahrhunderts hatten sich Millionen von Kirchenmitgliedern der aktiven Mitgliedschaft entzogen. Die Zahl der Gottesdienstteilnehmer wurde von Kritikern im Schnitt mit 11.000 pro Sonntag in Berlin angegeben. Selbst Aufrufe der Kirche, an bestimmten Sonntagen Gesicht zu zeigen, steigerte die Zahl nur kurzzeitig und blieb dennoch unter 100.000 Gottesdienstteilnehmern.
D.h.: Schon vor über 100 Jahren hatte die Kirche bei einem Großteil der Bevölkerung den Zugang verloren. Oder es wurde offenbar, dass sie diesen Zugang so nie gehabt hatte.

Warum sind wir so skeptisch gegenüber der Kirche?

Seit Tagen beschäftige ich mich mit der Berliner Kirchengeschichte. Der Hintergrund ist der: eine recht traditionelle Gemeinschaft von Christen möchte sich mehr für ihre Nachbarschaft öffnen. Ich soll dabei helfen. Abgesehen davon ist es eine grundsätzliche Frage für mich: Warum sind so viele Berliner verschlossen gegenüber dem Evangelium?

Nachdem ich viele Jahre Christ bin, wundere ich mich mehr und mehr, wie man dagegen sein kann. Ich erfahre, wie Menschen heil werden, innerlich wie äußerlich. Wie Menschen Frieden in ihrem Herzen finden. Wie Ängste weichen. Wie das Leben von Menschen aufblüht, wenn sie anfangen, mit Jesus zu leben. Vergebung geschieht. Belastungen lösen sich auf. Frieden kehrt ein. Kurzum: Ich erfahre das Leben mit Gott als etwas sehr Gutes. Wieso sollte man dagegen sein?

Nun sind nicht alle Berliner dagegen.
Viele sind auch tolerant, solange man sie nicht bedrängt. Geht mir ja selbst so: ich will auch nicht bedrängt werden.
Manche sind auch gleichgültig.

Aber Tatsache ist, dass es bei ca. 6 Millionen in Berlin-Brandenburg maximal 1,5 Millionen Kirchenmitglieder gibt (inkl. Freikirchen, Orthodoxe, Migrantengemeinden, RKK usw.). Es wäre sehr idealistisch, wenn man davon ausgeht, dass diese 1,5 Millionen auch wirklich an Jesus Christus, den Sohn Gottes glauben. Wenn man die durchschnittlichen Zahlen der Gottesdienstteilnehmer als Grundlage für einen Jesus-Glauben nimmt, dann könnte man bei ca. 40.000 – 50.000 Christen in der Region Berlin-Brandenburg landen. Das könnte realistisch sein, vielleicht auch sehr pessimistisch. Andere schätzen, dass es vielleicht 500.000 Christen gibt. Wer kann schon über den Glauben eines anderen urteilen!?
Wie dem auch sei: Auf jeden Fall sind es nicht 1,5 Millionen, da sich viele Menschen für Christen halten, nur, weil sie Kirchenmitglied sind – aber Jesus folgen sie nicht nach. Sie zahlen ihre Kirchensteuer, gehen zum Weihnachtsgottesdienst, wollen eine kirchliche Beerdigung. Aber ansonsten spielen Kirche, Glauben und Jesus in ihrem Leben keine Rolle.

Im besten Fall sind also knapp 10% der Berlin-Brandenburger Christen. Im schlechtesten Fall sind es noch nicht mal 1%.

Was ist da los?

Der Unterschied zwischen den Gruppen

Wie hier (Die Wichtigkeit von Teams im Reich Gottes) und hier (Die Fruchtbarkeit eines Teams) dargestellt, sind Gruppen unverzichtbar im Reich Gottes.
Denn:
1. Sie spiegeln Gottes Absichten wider (Vision-Berufung-Auftrag: Gemeinschaft mit Gott, miteinander und in die Welt hinein).
2. Sie entsprechen am meisten unserem Bedürfnis nach guten Beziehungen (inklusive effektive Ermutigung, Unterstützung, Freundschaft).

Aber es gibt wesentliche Unterschiede zu vielen üblichen Gruppen, die es in der christlichen Landschaft gibt! Und diese Unterschiede können tatsächlich den Unterschied zwischem dem geistlichen Aufblühen und dem geistlichen Niedergang ausmachen.

Hauskreis

Ein Hauskreis ist ein Treffen von Christen. Ein Schwerpunkt liegt auf der persönlichen Begegnung. Man tauscht sich über Persönliches aus, betet füreinander, liest in der Bibel und vielleicht isst man auch zusammen.
Was fehlt?
Wahrscheinlich fehlt die Umsetzung von Gottes Absichten.
Ein Hauskreis bietet viel Gutes: Es geht um die Gemeinschaft mit Gott und miteinander. Aber es fehlt das Ausbilden neuer Nachfolger. Dass Gottes Herzenswunsch ist, dass alle Völker in die Gemeinschaft mit Ihm finden. Denn die meisten Hauskreise bleiben unter sich.
Die Frucht merkt man nach einiger Zeit: Hauskreise gehen wieder ein und/oder bilden keine neuen Nachfolger und Gruppen aus.
Bildlich gesagt: Es werden keine „Kinder“ geboren.
Und was ist, wenn sich ein Lebewesen nicht fortpflanzt? Das Leben verkümmert.

Bibelstunde

In einer Bibelstunde treffen sich interessierte Christen, um schwerpunktmäßig miteinander Gottes Wort besser zu verstehen. Ein gutes Anliegen! Und gewiss noch besser, wenn tatsächlich alle an der Gestaltung beteiligt sind und nicht nur der zuständige Pastor oder Diakon.
Was fehlt?
Oftmals fehlt es daran, miteinander Gemeinschaft zu haben. Das Verstehen des Textes bildet den Schwerpunkt und weniger die persönlichen Anliegen des Bruders oder der Schwester.
Zudem geht es in Bibelstunden nicht darum, dass weitere Bibelgruppen entstehen, damit noch mehr Menschen Gottes Wort studieren können. Die klassische Bibelstunde bleibt für sich. Menschen dürfen gerne dazustoßen, aber es gibt keine Vervielfachung.
Wieder fehlt es daran, dass Gottes Vision ernst genommen wird und der Aufrag umgesetzt wird.
Es wirkt, als würde sich das Leben in einem Gefäß anstauen, aber nie überfließen. Das könnte zu stinkendem Wasser führen.

Dienstgruppen

Ferner gibt es Dienstgruppen wie z.B. die Lobpreisband, den Kirchenchor, das Suppenküchenteam. Hier investieren Menschen wertvolle Zeit und ihre Gaben, um anderen zu dienen. Ein Ausdruck der Liebe Gottes. Manchmal bewegen sich diese Gruppen auch „in die Welt“ hinein, um anderen Menschen etwas von Gottes Liebe zu vermitteln. Wunderschön!
Was fehlt?
Dienstgruppen haben den Dienst im Mittelpunkt, aber zumeist gar nicht die Gemeinschaft untereinander. Manchmal wird sogar die Gemeinschaft zu Gott hin außer acht gelassen (es gibt dann nur das Standard-Gebet zu Beginn und zum Schluss, vom Leiter gesprochen). Ja, manche dieser Gruppen sind nahe an der Vision Gottes. Aber sie setzen so gut wie nicht Berufung und Auftrag Christi um.

So ist zu sehen, dass unsere Gemeindeprogramme voll sind mit Gruppen dieser Art: Hauskreise, Bibelstunden, Dienstgruppen. Alle dieser Gruppen haben extrem Wertvolles in sich. Aber dafür vernachlässigen sie andere Aspekte, zu denen Gott uns gerufen und befähigt hat.

Daher braucht es Gruppen bzw. Teams, die Vision, Berufung und Aufrag Gottes miteinander verbinden. Die das Gute von Hauskreis, Bibelstunde und Dienstgruppe vereinen.

Diese Gruppen werden öfter neues Leben produzieren. Sie werden fruchtbar sein und dazu beitragen, dass Menschen gerettet werden und den Frieden mit Gott empfangen.

Was braucht ein Team, um fruchtbar zu sein?

Für das Reich Gottes sind Teams unverzichtbar.
Gott hat uns Menschen auf diese Art der Gemeinschaft angelegt (s.a. Grundlegend im Reich Gottes: das Team).

Diese Teams brauchen als DNS das Leben in der Vision, Berufung und in dem Auftrag Gottes.
Vision: alle Völker sollen in die Gemeinschaft mit Gott finden.
Berufung: wie Christus sollen wir selbst tiefer in die Gemeinschaft mit Gott finden.
Auftrag: Wir sollen andere zu Nachfolgern Christi ausbilden, also zu Menschen, die in der Gemeinschaft mit Gott leben.

Diese Teams haben somit den Blick auf die Weite gerichtet: Alle Völker!
Es geht um mehr als um das einzelne Team. Wir sind nur Teil des Ganzen.

Diese Teams haben den Blick auf sich selbst und Gott gerichtet: Wie Christus werden! Wie geht es mir und uns damit?

Und diese Teams haben den Blick auf den Nächsten gerichtet: Wen begleite ich in der Nachfolge? Und wen könnte ich noch in der Nachfolge begleiten?

Ein Team, das nur auf sich schaut, wird verkümmern.
Ein Team, das nur die Weite will, wird sich verlieren.
Ein Team, das nur den Dienst sieht, wird nicht das Gegenüber wahrnehmen.
Wir brauchen daher den Rundumblick:
Zu Gott,
zu mir,
zu dir,
zu dem, der künftig noch begleitet werden soll,
zu den Völkern.

Wie kann all das sichergestellt werden?
Anders gefragt: Wie kann ein Team fruchtbar sein?

Wir wissen von Jesus her, dass wir zwar viel aussäen können, aber dass nur ein Viertel des Ackers Frucht bringt. Ein nüchterner Blick auf Erfolg und Misserfolg hilft also. Allerdings bringt das eine Viertel dann gleich mehrfach Frucht! Lasst uns also damit rechnen, dass wir viel Ablehnung erfahren werden. Aber wenn Gott durchkommt, dann entsteht wirklich viel Gutes! Das wiegt alle Ablehnung mehrfach auf!

Für die Fruchtbarkeit sind mehrere Aspekte hilfreich und wahrscheinlich sogar unverzichtbar:

Es geht um die Gemeinschaft mit Gott.
D.h.: Gebet ist ein unverzichtbarer Aspekt.
Gebet hat viele Ausdrucksweisen wie Klagen, Danken, Bekennen Seiner Größe und Bekennen eigener Sünden, Loben und vor allem auch Hören auf Gott.
Das Wort Gottes gibt uns dabei Inspiration.
Auch das Abendmahl ist Ausdruck der Gemeinschaft mit Gott.

Es geht um das Wachsen in der Gemeinschaft mit Gott.
D.h.: Selbstreflektion anhand des Wortes Gottes.
Fragen wie „In welche Richtung geht mein Leben zur Zeit?“ sind hilfreich.
Es geht um das Innehalten vor Gott. Zeit und Ruhe zu haben, um den Heiligen Geist in das eigene Leben sprechen zu lassen. Das Studieren/Meditieren des Wortes Gottes und das persönliche Gebet ziehen uns zu Gott hin.

Es geht um die Gemeinschaft miteinander.
D.h.: Einander Anteil geben.
Das geschieht durch das gegenseitige Fragen und Zuhören und weniger um das sich gegenseitige Lehren. Frage nach, wie es dem anderen geht. Wie steht es um ihn in der Mission? Im Umgang mit Geld und Zeit und Gesundheit? Wie geht es ihm in seiner Ehe? Hat er jemanden, den er als künftigen Nachfolger Christi sieht? Höre zu und versuche, zu verstehen. Und dann bete für dein Gegenüber!
Schließlich ist das Abendmahl eine hervorragende Möglichkeit, um miteinander Gemeinschaft zu haben. Allerdings weniger in Oblaten-Form, sondern in Form einer richtigen Mahlzeit im Gedenken an Christus.

Es geht um die künftigen Nachfolger und die Völker.
D.h.: Findet einen Weg, um anderen Menschen zu dienen.
Was könnt Ihr tun, damit mehr Menschen von Gottes Liebe ergriffen werden? Damit mehr Menschen zu Nachfolgern Jesu werden?
Was entspricht Euren Ressourcen?
Wie könnt Ihr was wann wie und wo umsetzen?
Es muss nicht immer der gleiche Dienst sein. Nicht immer alle aus dem Team müssen gleichermaßen anpacken. Auch im Team gibt es unterschiedliche Gaben, mit denen Ihr Euch ergänzen könnt.
Denkt dran: ohne diesen „Außendienst“ seid Ihr noch kein Team im Sinne des Reiches Gottes. Ohne diesen Dienst seid Ihr vielleicht eine Selbsttherapie-Gruppe oder ein spiritueller Zirkel, aber keine Gemeinschaft, wie Jesus sie vorgelebt hat.

Wenn Ihr auf diese Aspekte achtet, dann wird es am Heiligen Geist sein, die Frucht zu wirken. Möget Ihr viele „Kinder“ bekommen!

Grundlegend im Reich Gottes: das Team

Wie kann Gottes Reich wachsen? Wie finden mehr Menschen zu Christus? Wie kann der Einzelne besser gestärkt werden?

Die Antwort ist: Es braucht Teams.

Das Wort „Team“ legt gewisse Merkmale nahe:
– Mehrere Menschen treffen sich, mindestens aber zwei.
– Sie begegnen sich persönlich und auf Arbeitsebene.
– Sie haben daher zwei wesentliche Ziele: MITEINANDER (1.)  ZIELE ERREICHEN (2.).
– Somit braucht es eine zeitliche Nähe: es finden regelmäßige Treffen statt, die das Miteinander und das Erreichen der Ziele ermöglichen.

Im Rahmen des Reiches Gottes fahren die Teams unter der Flagge Jesu Christi. Damit sind Vision, Berufung und Auftrag im Wesentlichen klar:

Die Vision besteht darin, dass alle Völker zu Nachfolgern Christi werden.
Die Berufung besteht darin, dass wir in das Bild Christi verwandelt werden, was heißt: tiefer in die Gemeinschaft mit Gott finden.
Der Auftrag besteht darin, dass wir Nachfolger ausbilden, damit wieder weitere Nachfolger ausgebildet werden können.

Jedes Team bricht das für sich in den jeweiligen Kontext runter:
Was bedeuten diese Vision, Berufung und dieser Auftrag für uns hier vor Ort mit unseren Möglichkeiten?

 

Theologisch sind die Teams bereits in Genesis 1-2 verankert: Gott erschafft den Menschen als Sein Ebenbild. Es geht um die Beziehung zu Gott hin. Und dann schafft Gott Adam und Eva, damit sie Beziehung zueinander haben. Gott gibt den Menschen den Herrschaftsauftrag über diese Welt mit.
Sehr deutlich werden die Teams wieder bei Christus offenbar: Er beruft sich ein Dreier-Team mit Petrus, Johannes und Jakobus. Zugleich bildet Er das Team der zwölf Apostel aus. Im „Learning by doing“-Modus sendet Er jeweils zwei Nachfolger in die Ortschaften aus, damit sie Gottes Reich verkünden.
Auch das rasante Wachstum der ersten Gemeinden ist in der Apostelgeschichte nur denkbar, weil sich Gruppen von Christen in Privathäusern getroffen haben.

Biblisch gesehen geht es also von Beginn an um die Gemeinschaft mit Gott und miteinander. Gelebt in überschaubaren Gruppen.

 

Somit sind das wichtige Fragen an jeden Nachfolger:

Hast du ein Team?
Warum trefft Ihr Euch?
Inwiefern tauchen Gottes Vision, Berufung und Auftrag bei Euch auf?
„Lebt“ Euer Team, d.h.: ist es darauf angelegt, fruchtbar zu sein und „Kinder“ (neue Teams) zu produzieren?

Wenn du kein Team hast, dann kannst du um 1-2 Teampartner beten. Bleibe geduldig dabei. Gott hört dein Gebet und der Tag wird kommen, wo du in dein Team findest!

Jüngerschaft und Mission in Berlin-Brandenburg

Vom 14.-16.12.2018 findet in der Freien evangelischen Schule Spandau ein Treffen zum Thema „Jüngerschaft und Mission in Berlin-Brandenburg“ statt.
Zusammen wird für das Reich Gottes in der Region gebetet.
Es gibt Impulsreferate, den Erfahrungsaustausch und Praxistipps für die Mission.

Es handelt sich um ein einmaliges und besonderes Treffen, das seinesgleichen sucht. Es ist Zeit, dass sich Christen über Gemeindegrenzen hinweg mit dem Hauptauftrag auseinandersetzen, den Jesus Christus gegeben hat.

Mehr Infos:
Band of Brothers and Sisters