Ein Team leiten – Du musst kein Superstar sein!

Letztens sprach ich mit einer Iranerin. Eine Christin, die ca. 60 Jahre alt ist. Sie hatte sich gut gekleidet, aber nicht zu fein. Weder ihre Rhetorik, noch ihr sonstiges Auftreten erweckten den Eindruck, dass ich es mit einer dominanten Power-Frau zu tun hatte. Sie wirkte wie eine ganz normale Frau.

Dann erzählte sie mir, dass sie in Deutschland zwei Gemeinden gegründet hat. Zwei Gemeinden! Wohl mehrheitlich mit iranisch-stämmigen Menschen. Ich musste kurz innehalten: da sitzt mir diese normale Frau gegenüber und erzählt mir, dass sie zwei Gemeinden gegründet hat.

Stark!

Diese Begegnung erinnerte mich an das, was der Autor Joel Comiskey in seinem Buch „Home Cell Group Explosion“ dargestellt hat. Dort nimmt er immer wieder Bezug auf eine von ihm durchgeführte Studie (Teil 1 meiner Zusammenfassung: „Kleingruppen-Explosion“ / Teil 2: „Mission der Kleingruppen„).
Eine wesentliche Erkenntnis der Studie ist die:

Das Starten, Leiten und das Wachstum einer Kleingruppe hat nichts mit bestimmten spirituellen Gaben zu tun (S.29)! Was aber beachtlich ist: In einem solchen Team sollte die Gabenvielfalt der Teilnehmer gesehen und gewollt sein. Es ist der Gabenmix, der eine Kleingruppe zum Aufblühen bringen kann.

Das zeigte die Studie ebenfalls:

Sowohl introvertierte als auch extrovertierte Menschen können eine Gruppe erfolgreich in die Multiplikation führen (S.31). Auch gemessen am sog. DISG-Persönlichkeitstest konnte nicht deutlich werden, dass eine bestimmte Persönlichkeitsgruppe hervorstach (S.32).

Schließlich spielen auch das Geschlecht, das Alter, die Ausbildung oder der Beruf keine ausschlaggebende Rolle für die Vervielfachung einer Kleingruppe.

Comiskey schlussfolgert (sinngemäß von mir übersetzt, S.32):

„Team-Leiter, sei ermutigt. Ob du männlich oder weiblich, gebildet oder ungebildet, verheiratet oder Single, schüchtern oder offen, ein Lehrer oder Evangelist bist – du kannst deine Kleingruppe zum Wachstum bringen.“

Oder so gesagt:

Du musst kein Superstar sein!

Bildquelle: lizenzfrei via https://www.pexels.com/de-de/foto/miniatur-spielzeug-superheld-2707594/ am 11.11.2019

Die Mission der Kleingruppen

Fortsetzung von „Kleingruppen-Explosion – Wie deine Kleingruppe wachsen kann und sich vervielfachen kann“.

Comiskey zitiert in seinem Buch den Professor Mikell Neumann am „Western Seminary“ in Portland, der aus Untersuchungen schlussfolgert (S.22):

„Während wir annahmen, dass Evangelisation ein Schlüssel für ‚Wohnzimmer-Gruppen‘ (Anm.: freie Übersetzung von mir für das Wort ‚home group ministries‘) ist, waren wir überrascht von der Wucht dieser Wichtigkeit…“

Ebenso zitiert er den Gründungspastor von DOVE Christian Fellowship, Larry Kreider:

Das Hauptziel für jede Kleingruppe (‚cell group‘) muss es sein, einen Rettungsladen einen Meter (‚yard‘) vor der Hölle zu betreiben. Ansonsten wird diese Gruppe zu einem sozialen Club ohne Auswirkungen.“

Im Weiteren betont Comiskey die Wichtigkeit dessen, dass jede Kleingruppe diesen evangelistisch-missionarischen Fokus hat. Es brauche die Absicht, dass sich die Gruppen multiplizieren. Diese Absicht finde man auch schon in der Bibel oder in der Kirchengeschichte (z.B. Wesley).

Damit drückt Comiskey das aus, was ich selbst immer wieder beobachte und selbst erfahren habe:


Ein Hauskreis, die einfach nur Hauskreis sein will, bleibt ein Hauskreis, der kaum Segensfolgen für andere hat.

In vielen Fällen gehen solche Gruppen wieder ein. In seltenen Fällen bleiben diese Gruppen über Jahre bestehen, aber erleben nicht, dass sich andere Menschen zu Jesus wenden oder andere Christen im Glauben gestärkt werden. D.h.: sie bleiben fruchtlos.

Es ist wie im „echten Leben“:
Wer ziellos lebt, erreicht alles und nichts. Es gibt ja kein Ziel. Also, hat man es schon erreicht. Oder auch nicht. Man weiß es nicht. So ein Leben ist ziemlich irrelevant. Und vor allem nicht das, wofür Gott uns geschaffen hat.

Tatsächlich gibt es ja doch Ziele in den Gruppen, und zwar oft unausgesprochene.
Zum Beispiel, dass man seinen Insider-Club haben will, wo nur die drin sein dürfen, die auf der gleichen Wellenlänge sind. Man will nur Zeit mit denen verbringen, die einem sympathisch sind. Anders gesagt: Freunde tun Freunden Gutes. So sichert man sich die Anerkennung, nach der wir uns alle sehnen.

Jesus wies daraufhin: Das tun die Gottfernen auch!


Die Jesus-Nachfolger aber sollen anders leben: hin in die Welt, hin zu den Sündern, hin zu den Außenseitern… bis hin zu den Feinden, um sie für Gottes Liebe zu gewinnen.

Alles, was Jesus tat und lebte, wies in die eine Richtung:
Gottes Reich soll wachsen!
Alle Menschen und Völker sollen in die Gemeinschaft mit Gott finden.
Dafür heilte, befreite, verkündete, lebte und starb Jesus.

Jesus-Nachfolger folgen Jesus nach.
Eine simple Aussage.
Aber eine mit viel Stoff!


Denn das heißt für Kleingruppen/Hauskreise:
Wenn sie zu Jesus gehören, dann sind es Missions-Teams!


Es gibt ein Ziel für die Gruppen: Gottes Liebe in dieser Welt durch Worten und Taten verkündigen!

Das Ziel Jesus ist längst geklärt.
Hauskreise, die sich danach ausstrecken, leben in der Nachfolge Jesu und haben die Chance, sich zu vervielfältigen.


Bildquelle: https://www.pexels.com/de-de/foto/futuristischer-hintergrund-mission-1425564/ by zoomstock (lizenzfrei)


Kleingruppen-Explosion – Wie deine Kleingruppe wachsen kann und sich vervielfachen kann

So ähnlich lautet der Titel des Buches von Joel Comiskey, mit einem Vorwort von C.Peter Wagner (Originaltitel „Home Cell Group Explosion – How Your Small Group Can Grow and Multiply„; Cell Group Resources, a division of TOUCH Outreach Ministries Houston, Texas, USA; 2002).

(„TOUCH“ wurde 1972 von Dr. Ralph W. Neighbour, Jr. gegründet, mit dem Wunsch, normalen Gemeinden zu helfen, den Schwerpunkt nicht auf die üblichen Programme zu legen, sondern auf die Kleingruppen-Arbeit.)

In dem Buch stellt Comiskey dar, zu welchen Ergebnissen seine Untersuchung von acht schnell wachsenden Zell-Gemeinden geführt hat. In jeder dieser Gemeinden habe er acht Tage zugebracht. Insgesamt hätten mehr als 700 Kleingruppen-Leiter seinen Fragebogen beantwortet.

Untersucht hat er diese Gemeinden:
Bethany World Prayer Center (USA, ca. 600 Kleingruppen)
The Christian Center of Guayaquil (Ecuador, ca. 2.000 Kleingruppen)
Elim Church (El Salvador, ca. 5.500 Kleingruppen)
Faith Community Baptist Church (Singapure, ca. 600 Kleingruppen)
The International Charismatic Mission (Kolumbien, ca. 20.000 Kleingruppen)
Love Alive Church (Honduras, ca. 1.000 Kleingruppen)
Living Water Church (Peru, ca. 900 Kleingruppen)
Yoido Full Gospel Church (Korea, ca. 25.000 Kleingruppen)

In der folgenden Zeit will ich einige Erkenntnisse aus diesem Buch wiedergeben (m.E. gibt es das Buch nicht auf Deutsch). Immer stückweise. Hier ein Häppchen, dort ein Häppchen. Ich habe das Buch noch nicht ganz durchgelesen, aber schon die ersten Seiten haben mich gefesselt.

Jetzt nenne ich nur diese Erkenntnisse von Comiskey:

Was ist eine „Zell-Gemeinde“?

In einer Zell-Gemeinde sind die Kleingruppen nicht ein Extra-Programm der Gemeinde, sondern sie sind das Herzstück, das Wesen der Gemeinde. Das Gemeindeleben, ob Lobpreis, Gebet, Lehre usw., findet hauptsächlich in den Kleingruppen statt.
Dabei sind die Zellen offen für Neue und sie sind evangelistisch eingestellt. Man trifft sich wöchentlich, um einander zu stärken und um das Evangelium denen weiterzugeben, die Jesus noch nicht kennen. Das Ziel ist daher auch die Vervielfachung der Gruppe.
Dieser Dienst wird durch regelmäßige Gottesdienstfeiern unterstützt, zu dem alle Kleingruppen zusammenkommen.


Der Prozess der Gruppen

Wie bei einer menschlichen Zelle gehen diese Teams durch einen Prozess:
1. Lern-Phase – ca. ein Monat
Die Mitglieder der Gruppe lernen sich kennen.

2. Liebes-Phase – ca. ein Monat
Masken fallen, Ecken & Kanten werden deutlicher, Konflikte können zu Tage treten.

3. Verbindungs-Phase – ca. ein Monat
Die Mitglieder finden in ihre Rollen hinein. Jetzt sollte das evangelistische Training beginnen.

4. Start-Phase – ca. ab dem vierten Monat
Nun befindet sich das Team im evangelistischen Modus.

5. Loslass-Phase – kann ein Jahr lang dauern
Nun soll mit Neubekehrten eine zweite Gruppe gestartet werden.

Comiskey geht es bei der Darstellung nicht zuerst um den Aufbau von Mega-Churches und einen Zahlen-Fetischismus. Sondern er hat die Sehnsucht des himmlischen Vaters vor Augen, wie sie u.a. in Matthäus 28,19 ff. genannt ist: Mögen alle Völker Gottes Liebe empfangen und zu Nachfolgern Jesu werden!

Teil 2 folgt demnächst…



Bildquellen (lizenzfrei):
https://pixabay.com/vectors/zap-comic-comic-book-fight-4335490/
https://www.needpix.com/photo/178551/choir-gospel-people-group-standing-performance-spiritual-praise-sing


Start einer neuen Videoreihe für Jesus-Nachfolger und Team-Starter

Ich bin überzeugt, dass unsere Gemeinden und Kirchen die einzelnen Nachfolger Jesu Christi stärken müssen. Es geht um „Jüngerschaft“ und den Aufbau von Reich Gottes-Teams. Es geht um das sich vervielfältigende Leben Gottes in dieser Welt. Mit dieser neuen Videoreihe werden Hilfen gegeben: Wie können starke Jesus-Teams aufgebaut werden? Was sind die wichtigen Aspekte der Jesus-Nachfolge? Wie kommen wir in eine Multiplikation von Gottes Leben hinein?

Hier ist das erste Video „Biblische Grundlagen für starke Nachfolger-Teams“. Eine grobe Übersicht, um die Wichtigkeit solcher Teams besser zu verstehen.

Wichtige Prinzipien für eine Gemeinde, die auf multiplikative Kleingruppen setzt

Dea Hee Kim hat in seiner Doktorarbeit (Mai, 2010) einige Prinzipien erforscht, die für die Kleingruppenarbeit einer Gemeinde wichtig sind. Sein Schwerpunkt liegt dabei auf einer effektiven Strategie für die Entwicklung von Leitern für eine sog. Zell-Gemeinde (Titel der Arbeit: „AN EFFECTIVE STRATEGY FOR LEADERSHIP DEVELOPMENT IN THE CELL CHURCH„).

Hier folgen einige seiner Erkenntnisse

1.Der leitende Pastor (ich ergänze: das Leitungsteam) muss die Vision für diese Art von Kleingruppen-Gemeinde haben. Es geht also nicht um den Aufbau einer großen Gemeinde, sondern um den Aufbau einer Gemeinde, die durch kleine Teams die persönliche Jesus-Nachfolge fördert.

2. Eine „gesunde“ Leiterschaft der Kleingruppen ist ausschlaggebend. Nachwachsende Führungskräfte werden in die Teams hineingenommen und lernen am direkten Vorbild eines bereits tätigen Leiters.

3. Eine Zell-Gemeinde hat durchaus auch die „großen“ Gottesdienstfeiern, zu der die Teams zusammenkommen. Das hilft, eine gesunde Balance zu bewahren.

4. Um eine gute Leiterschaft zu entwickeln, braucht es ein durchdachtes Konzept. Wie kann sich ein normales Gemeindemitglied zu einer Führungskraft entwickeln? Welche Wege sind dafür in der Gemeinde vorgesehen?

5. Nicht der angestellte Pastor steht im Zentrum der Arbeit, sondern es geht um die Befähigung und Freisetzung eines jeden Christen. Der Pastor kümmert sich darum, dass auch andere in die Leitungsaufgabe gelangen.

6. Eine jährliche Evaluation ist nötig, um das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren bzw. um effektiv weiter arbeiten zu können.

7. Coaches für die Team-Leiter sind wichtig – aber ebenso Hilfen für die Coaches selbst. Es braucht also ein umfassendes Unterstützungssystem für diese Schlüsselpersonen. Das umfasst auch fortlaufende Schulungsangebote für die Leiter, die sich fortbilden wollen.

Wie sähe ein „Trainer helfen Trainer“-Treffen aus?

Stelle dir vor, Fußballtrainer aus verschiedenen Vereinen kämen regelmäßig zusammen, um sich gegenseitig zu helfen. Was würden sie bei den Treffen machen?

Oder Coaches aus verschiedenen Firmen kämen regelmäßig zusammen, um sich gegenseitig Tipps zu geben. Wie genau würde so ein Treffen ablaufen?

Oder Anti-Alkoholiker kämen immer wieder zusammen, um sich gegenseitig zu helfen, clean zu bleiben. Wie würden die das tun?

Oder Bürgermeister verschiedener Städte kämen zusammen, um zu beraten und sich in ihren Diensten zu unterstützen. Wie würde ihr Treffen aussehen?

Oder ganz persönlich gefragt:

Was würde DIR denn helfen, um ermutigt und gestärkt mit deinen Aufgaben weitermachen zu können?

Ich kann hier nur von mir reden:

Ich bräuchte jemanden, der mir zuhört und mir Fragen stellt, um mich zu reflektieren. Ich bräuchte jemanden, der zu mir steht, auch, wenn ich mal Fehler gemacht habe. Jemand, der mich ermutigt. Ich bräuchte jemanden, der in wertschätzender Weise auch mal den Finger in die Wunde legt, damit ich heiler werde. Und ich bräuchte jemanden, der für mich betet.

Kurzum: ich bräuchte eine persönliche Beziehung.

Vorträge, Power-Point-Präsentationen, Abend-Dinner, Meet & Greet-Aktionen wären netter Beistoff, aber nicht das Eigentliche.

Das heißt: ein effektives „Trainer helfen Trainer“-Treffen wäre etwas, wo viel Raum für die persönliche Begegnung wäre, vielleicht umrahmt von Impulsreferaten und einem netten Ambiente.

Ich glaube, dass die Gottesdienstfeiern der Christen eigentlich solche „Trainer helfen Trainer“-Treffen sind. Zumindest waren sie ursprünglich so gedacht. Denn jeder Christ sollte ein Trainer sein. Jemand, der andere trainiert, in Gemeinschaft mit Gott zu leben und damit ein Segen für diese Welt zu sein.

Stimmt das?

Wenn nein: Warum nicht?

Wenn ja: Sind wir da? Tun wir das?



Bildquelle: https://pxhere.com/en/photo/1447015, Download am 21.09.2019