Gemeinde Jesu in Corona-Zeiten

Ich glaube, die aktuelle Corona-Situation muss ich nicht beschreiben. Das Internet ist voll von Infos. Eine Frage, die sich ergibt, ist die: Wie entwickelt sich Gottes Gemeinde in dieser Zeit?

Gemeindehäuser können nicht wie bislang genutzt werden.

Übliche Gemeindeprogramme finden nicht statt.

Gemeinsamer Lobpreis via Internet funktioniert nicht so gut.

Selbst Hauskreistreffen sind zur Zeit untersagt.


Dennoch steht die Gemeinde Jesu für etwas ein: Gottes Liebe erkennen und diese für die Welt weiterverschenken.
Das inkludiert u.a.: Gemeinschaft mit Gott und miteinander.
Z.B.: einander helfen, miteinander beten, einander motivieren, trösten, korrigieren und gemeinsam singen und essen… und all das in einer Weise, die unsere Gesellschaft zum Guten beeinflusst.
Weitere Aktivitäten sind fundamental für Gottes Gemeinde: der Vollzug der Taufe und das Feiern des Abendmahls im Kontext der Mission.

Wir sehen:
All das geht via Internet/Telefon nur begrenzt oder gar nicht.

Damit stehen wir als Jesus-Nachfolger vor einer Herausforderung.
Einerseits will Gott, dass wir die Regierung achten und die Gesetze befolgen.
Andererseits will Gott, dass wir Kirche leben.

Gewiss ist es weise, in dieser Zeit nicht nur im Respekt vor der Regierung, sondern auch, um Menschen in ihrer Gesundheit nicht zu gefährden, die momentanen Anweisungen zu befolgen.

Wir können diese Zeit ebenfalls als eine Chance betrachten:
Viele Gemeinden, Christen und Pastoren entdecken „endlich“ das Internet als eine Möglichkeit, um Gottes Botschaft zu kommunizieren. In vielfältiger Art gelangt Gottes Wort momentan über verschiedenste Online-Kanäle zu den Menschen.
Nachbarschaften fangen an, sich wahrzunehmen und sich gegenseitig zu stützen. Christen können dabei federführend sein.
Einzelne Christen haben bedingt durch den Ausfall von Gemeindeprogrammen nun die Möglichkeit, sich mehr um andere Menschen zu kümmern: um die eigene Familie, um Freunde, Nachbarn und Kollegen. Oder mancher kann sich mittels eines ehrenamtlichen Engagements für diakonische Zwecke einsetzen.
Zudem könnte es sein, dass manche Menschen in diesen Tagen offener für Gott sind als sonst. Unsicherheit und Angst können Fragen nach dem persönlichen Lebenshalt und Lebenssinn hervorbringen. Als Christen wissen wir um Halt & Sinn, und können Rede und Antwort stehen.
Schließlich könnte es sein, dass diese (mehr oder weniger erzwungene) Pause einem Shabbat gleicht: Entschleunigung, mehr Besinnung, die Ausrichtung auf das Wesentliche und die Dankbarkeit für all das mitunter als selbstverständlich hingenommene Gute.

Klar ist aber auch das:
Um Gemeinde Jesu zu sein, können wir nicht dauerhaft die Isolation akzeptieren. Irgendwann müssen wir ausbrechen.
Denn Ältere und Schwächere brauchen Beziehungen, die live vor Ort stattfinden. Menschen (Kinder!) aus dysfunktionalen Familien brauchen externe Ansprechpartner. Depressive, Schwermütige und Trauernde brauchen mehr als nur eine E-Mail. Süchtige brauchen Selbsthilfegruppen.
Tafeln und Suppenküchen brauchen Mitarbeiter. Obdachlose brauchen Begleiter. Und auch die Normalos brauchen mal eine Umarmung und den Schulterklopfer.

Natürlich: Je gefährlicher ein Virus ist, desto mehr haben wir auf andere Menschen zu achten. Körperliche Distanz ist dann wichtig. Fraglich ist nur, wie sinnvoll die aktuellen Maßnahmen wirklich sind. Im Rückblick werden wir das besser sehen, hoffe ich. Es könnte sein, dass die Zeit kommt, wo Christen trotz der „Pest“ zu den Hilfsbedürftigen gehen müssen – mit angemessener Schutzkleidung. Es könnte die Zeit kommen, wo Christen sich dennoch treffen müssen, um für diese Mission gestärkt zu werden – dann in kleinen Gruppen.

Noch wissen wir nicht, wie aggressiv der Virus wirklich wird. Wird er letztlich harmloser als die Influenza? Oder wird er wesentlich mehr schaden? Ein Impfstoff ist noch nicht greifbar – und ob man einen so schnell entwickelten, noch nicht etablierten Impfstoff wirklich in sich tragen will, steht auch auf einem anderen Blatt. Wir wissen nicht, wie lange die momentanen Maßnahmen gelten werden. Und wir können nur ahnen, welche wirtschaftlichen Folgen für diese Welt eintreten werden. Wahrscheinlich wäre es ein Wunder, wenn diese Welt mit einem blauen Auge davon kommt. Und wahrscheinlich spricht mehr dafür, dass der wirtschaftliche Schaden von Tag zu Tag und von Woche zu Woche immer größer wird. Dann wird aber auch die materielle und damit auch die seelische Not der Menschen zunehmen. In Gemeindekreisen und sonstwo.

Es ist denkbar, dass manche Gemeindemitglieder in Kurzarbeit kommen oder andere arbeitslos werden. Insolvente Firmen können nicht über Nacht wieder aufgebaut werden. Eine wirtschaftliche Abwärtsbewegung erscheint am Horizont. Wenn aber die Gemeinden somit auch weniger Einnahmen haben, ist es denkbar, dass Pastoren gehaltsmäßig kürzer treten müssen oder sich manche Gemeinde einen Hauptamtlichen nicht mehr leisten kann. Das Gemeinde-Pastorensystem wird dann überdacht werden müssen. Ein Plädoyer für das gelebte allgemeine Priestertum aller Gläubigen.

Es kann sein, dass sich sogar manche Gemeindehäuser nicht mehr als finanziell stemmbar erweisen. Wo trifft man sich dann? Ein Plädoyer für die Gemeinde in der Kneipe und im Wohnzimmer.

Es kann sein, dass es nicht reichen wird, Geld in den Kollektenbeutel zu werfen, sondern dass wir Essen und andere Güter miteinander teilen müssen. Ein Plädoyer für praktische Nächstenliebe.

Es kann sein, dass mehr Menschen nach Sinn & Halt suchen. Ein Plädoyer für Jesus-Nachfolger, die andere in der Nachfolge begleiten können.

Es kann aber auch sein, dass sich in solchen Krisenzeiten Menschen von Gott und Gemeinde abwenden. Vielleicht, weil sie nicht wirklich Jesus gefolgt sind, sondern einem religiösen Wellness-Programm. Vielleicht, weil sie mit dem Schmerz und Leid nicht umgehen können und Gott darin nicht verstehen. Es kann sein, dass die Spreu vom Weizen getrennt wird.

Ich glaube, dass wir als Christen diese Corona-Zeit nicht als eine Zeit der Angst und Sorge angehen sollten, sondern als eine Chance:
Mehr Gottessuche und mehr Aufeinander-Achthaben.
Die Entdeckung weiterer Kommunikationsmittel, um vernetzte Gemeinde zu leben.
Das Umsetzen von „Familien-Gottesdiensten“ mit den Angehörigen in der eigenen Wohnung.
Mehr Konzentration auf das Wesentliche.
Die Entwicklung von Strukturen, um einander auch ohne Gemeindehaus zu helfen.
Die stärkere Gründung im Gebet und Wort Gottes.

Es könnte sein, dass Gott Seine Gemeinde auf die letzte Zeit vorbereitet. Jesus kommt wieder.



Eine Antwort auf „Gemeinde Jesu in Corona-Zeiten“

  1. 2. Tim. 1,7: Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.

    Ich persönlich finde keinen Sinn darin über „was wäre wenn“ herumzuspekulieren. Manchen macht es Freude verschiedene Szenarien mal durchzuspielen. Und auf seine Weise ist es vielleicht sogar eine Vorbereitung durch die frühzeitige Auseinandersetzung mit diversen Gedanken. Es ändert aber nichts an der jetzigen Situation. Ich empfinde, Gott fordert uns auf, ruhig und nüchtern zu sein. Wir stützen uns dabei darauf, daß Gott versprochen hat, mit uns zu sein. Wenn wir ins Feuer gehen, ist er dabei. Und wenn wir ins tiefe Wasser müssen, ist er dabei. Und wenn wir sterben, sind wir bei ihm. Das nimmt mir noch nicht die Angst vor dem Sterben aber die Angst vor dem Tod. Die Corona-Krise macht uns unsere Hilflosigkeit oder zumindest unsere sehr begrenzte Einflussmöglichkeit bewusst. Das treibt uns ins Gebet und hilft uns, alles dem allmächtigen Gott vorzulegen. Und das gemeinsame eins machen im Gebet schafft eine Einheit, die vorher nicht da war. Wenn wir eins werden, dann liegt darin Kraft und Vollmacht. Deshalb versucht der Böse immer, Keile zwischen uns zu trieben. Die Situation lehrt uns, Gott zu vertrauen. Auch da, wo ich nicht verstehe. Ich erlebe Gott in diesem Chaos so stark wie lange nicht. Privat und in der Firma. Und ich kann mit aufgeregten und verängstigten Kollegen rund um den Globus von meinem Glauben reden und sie hören mir auf einmal zu. Gott zeigt sich in dem Chaos als der allmächtige Gott und das gibt mir Vertrauen. Und der Glaube des Einzelnen und damit auch die Gemeinde als Zusammenschluss der Glaubenden zeigt sich genauso gerade jetzt. Und das finde ich wunderbar und beglückend.

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