Auf was wartet die Gemeinde in Corona-Krisen-Zeiten?

Die Corona-Krise (besser formuliert: die entsprechenden Maßnahmen seitens der Regierung) verlangt uns viel ab. Hinsichtlich der Kirchen und Gemeinden ergeben sich Fragen. Möglicherweise auch existentielle Fragen.

Aktuell warten wir eine Verordnung ab, dann den nächsten Beschluss, eine weitere Vereinbarung… So geht das seit ca. Mitte März 2020. Sehr viele Gemeinden scheinen sich in den vergangen Wochen ruhig und angepasst verhalten zu haben. Man hat das gemacht, was die Regierung angewiesen hat.

So bemühten sich die Gemeinden, kreativ zu werden, um anderweitig „Gemeinde“ zu verkörpern: durch Online-Predigten, Online-Gottesdienstfeiern, Video-Chats, Telefonate, Telefon-Predigten… und mit den ersten gesetzlichen Lockerungen gab es einige Gemeinden, die nun versuchen, Gottesdienstfeiern vor Ort durchzuführen: mit dem entsprechenden Abstand von ca. zwei Metern, u.U. mit Gesichtsmaske, ohne gemeinsamen Gesang und ohne das wie übliche zelebrierte Abendmahl. Bilder solcher Veranstaltungen wirken sehr befremdlich.

Wie lange können und wollen Gemeinden das mitmachen?
Oder zugespitzt gefragt: Wie lange dürfen wir mitmachen?


Wer stellt sich hier die Frage: „Gott, was willst du?“

Noch erlebe ich vor allem die letzte Frage sehr selten unter den Christen, die ich kenne. Wie erwähnt: Man folgt den Anweisungen der Regierung.

Aber was will Gott in alledem?

Das muss doch die Frage sein, die uns am meisten bewegt! Beten wir denn nicht: „Dein Wille geschehe… dein Reich komme“!? Ist unser Bekenntnis denn nicht: „Jesus ist mein Herr und Erlöser“!?

Ihn müssen wir zuerst fragen – und Ihm dann auch Folge leisten. Das ist unser Glaube.

Was will Gott?

Wie ich schon geschrieben hatte, stehen wir als Christen in der Spannung zwischen „Seid der Obrigkeit Untertan“ und den Weisungen Gottes „Versammelt euch zur gegenseitigen Ermutigung“ beziehungsweise „Geht hinaus in die Welt“. Welches Gebot gilt mehr?

Bei solchen Überlegungen stoßen wir unweigerlich auf unsere Prägungen und Gedankenwelten. Will sagen: Unser Bild von Gemeinde und Gottesdienst leitet uns.

Wer bisher unter „Gemeinde“ das Gemeindehaus und die sonntäglichen Gottesdienstfeiern mit Predigt, Musik und einer gewissen Liturgie verstanden hat, wird alles Weitere eben daran messen: „Wann können wir endlich wieder diese Art der Versammlungen haben?“

Auch manche Hauskirchen dürften ähnliche Messlatten anlegen: „Wann dürfen wir uns wieder als Hauskirche im Wohnzimmer treffen?“

Ganz nüchtern geantwortet: Vielleicht erst in einem Jahr!

Erst in einem Jahr wieder das „normale“ Gemeindeprogramm?

Denn genau das sind die Ansagen der letzten Wochen gewesen: Erst, wenn ein Impfstoff für alle vorhanden ist, und eine Corona-App angewendet wird, können wir wieder in die Normalität zurückkehren (ich ergänze kritisch und provokant: … dann können wir wieder unsere Grundrechte umfassend wahrnehmen). Sollten Impfstoff und App tatsächlich das Ziel sein, dann müssen wir uns tatsächlich auf ca. ein Jahr (vielleicht auch länger) einstellen. So lange wird es keine üblichen Gottesdiensfeiern geben. Und Hauskreistreffen nur dann, wenn es zwischendurch gesetzliche Lockerungen geben sollte. Allerdings kann auch das passieren: dass die Zügel wieder enger gezogen werden, mit der Folge, dass Gottesdienstfeiern doch zeitweilig untersagt werden.

Frage: Darf das von Gott her sein, dass wir mindestens ein Jahr lang so als Christen leben? Ist das der Wille Gottes?

Von der Bibel wissen wir das:
1. Gelebte Gemeinschaft gehört zu unserem Wesenskern als Christen („Gemeinde“).
2. Und auch das: eine Gemeinschaft, die anderen hilft, ebenfalls den Frieden mit Jesus Christus zu finden („Mission“).
Es gibt keine Alternative für uns. Ansonsten würden wir unseren Glauben nicht mehr leben.

Wie können wir das umsetzen? Und zwar pro-aktiv und nicht nur auf neue Regierungsbeschlüsse wartend!?


Die Prinzipien Gottes für Gemeinde

Um den weiteren Weg klarer zu sehen, gibt uns Gottes Wort Orientierung. Wenn wir genauer hinschauen, dann entdecken wir gerade in der Corona-Krise, wie festgefahren unsere Vorstellungen von Gemeinde sein können.

Denn die Bibel zeichnet uns nicht das Bild vom Gemeindehaus plus einer sonntäglichen Gottesdienstfeier, die liturgisch gut vorbereitet ist, und einem Gemeindeprogramm, das den Bedürfnissen von Kindern, Jugendlichen und Senioren gleichermaßen gerecht wird!

Es gibt keine besonderen biblischen liturgischen Vorschriften für die Versammlung von Christen. Manche deuten das dann so, dass wir also unsere Liturgien hineinlegen können und sollen. Es könnte aber anders herum sein: In der Bibel gibt es keine liturgischen Vorschriften, WEIL ES NICHT UM LITURGIE GEHEN SOLL!

Aber um was dann?

Es geht um das Miteinander vor Gott. Es geht um die Begegnung zwischen den Nachfolgern Jesu. Sie ermutigen einander mit unterschiedlichen Gaben, damit sie weiterhin als Nachfolger Jesu im Alltag leben können. Dieses Zusammensein soll von Liebe geprägt sein. Es soll auf Augenhöhe geschehen. Ohne „Zeremonienmeister“, da wir untereinander Geschwister sind, wir alle als „Priester und Könige“ beauftragt sind, und wir nur einen Meister haben: Jesus Christus.

Wenn es im Kern um die Liebe geht (die Liebe von Gott zu uns, unsere Liebe zu Ihm, unsere Liebe füreinander, und so liebend in die Welt hinein), dann kann und darf es gar nicht um feste Abläufe gehen. Denn feste Abläufe (Liturgien) existieren irgendwann um ihrer selbst willen. Der einzelne Mensch taucht darin nicht auf. Gewiss können Ordnungen und Abläufe helfen. Aber in der Praxis ermöglichen sie es in der Regel nicht, dass der Einzelne zu Wort kommen kann. Wenn aber der Einzelne nicht zu Wort kommen kann, kann er nicht gehört werden. Wird er nicht gehört, taucht er im Grunde nicht auf. Ein gegenseitiges Ermutigen ist auf diese Weise unmöglich. Da herkömmliche Gottesdienstfeiern also oft einem bestimmten Schema folgen und in der Regel auf die Aktion von Wenigen setzen, behindern sie das gemeinsame Reden und Hören, was wiederum kein Zeichen der Liebe sein kann. Kurzum: unsere herkömmlichen Gottesdienstfeiern stellen ein Programm dar, das mal hilfreich sein kann, aber mal auch nicht. Hingegen muss eine Versammlung von Geschwistern vor Gott, die in Liebe geschieht, Raum und Zeit haben, damit Einzelne gehört werden.

Interessanterweise entspricht dieser Befund der Erfahrung, die ich zur Zeit mit Online-Gottesdiensten mache. Die willigen und fähigen Christen schalten sich in den Video-Chat ein. Auf dem Bildschirm tauchen alle Gesichter auf. Wir sehen nicht nur den Rücken des anderen, sondern wir können einander anschauen. In diesem Format findet Öffnung statt. Hier redet nicht nur einer, sondern alle dürfen Erkenntnisse und Erlebnisse austauschen. So wird auch miteinander gebetet. Diese Video-Gottesdienste sind im Kern höchst dialogisch. Es ist mehr Miteinander als wir es bei einer üblichen Gottesdienstfeier hätten. Und ich behaupte daher sogar das: Damit entsprechen wir mehr der Gemeinschaft, die Gott sich für uns gedacht hat.

Könnte es sein, dass wir gerade etwas entdecken, was Gott schon immer für uns wollte?

Nun können Online-Gottesdienste, so dialogisch sie sind, aber nicht jede Form von Gemeinschaft abdecken. Gemeinsamer Lobpreis ist nicht wirklich umsetzbar; gemeinsames Abendmahl am Bildschirm erscheint wie ein Knäckebrot im Vergleich zu einem saftigen, gut belegten Vollkornbrot. Und all das, was Beziehung und Gemeinschaft ausmacht, kann so nicht stattfinden: die Taufe, das Handauflegen, die Umarmung (geschweige denn der „Bruderkuss“ 🙂 ).

Daran merken wir: Online-Treffen offenbaren Schätze, die Gott in Seine Gemeinde gelegt hat. Aber sie sind kein Ersatz für die direkte Gemeinschaft vor Ort.

So oder so: Wir kommen nicht an der gelebten Beziehung vor Ort vorbei. Diese gehört zu unserem Christsein.

Dabei hat uns Gott in der Bibel längst gezeigt, wie diese Gemeinschaft gelebt werden kann: „Wo sich zwei oder drei…“.

Das Plädoyer für Gemeinde in Corona-Zeiten

Die Antwort ist die kleinste Kleingruppe, die es gibt: eine Zweier- oder auch Dreierschaft!

,So hat Jesus Seine Leute missional geprägt: Er sandte sie zu 2. in Dörfer und Städte. So hat Er selbst intensive Gemeinschaft gelebt: Indem Er drei der Apostel zu Seinem engeren Freundeskreis zählte (Petrus, Johannes, Jakobus). Diese kleinen Mannschaften sind Gemeinde im Mini-Format. Sie brauchen kein Gemeindehaus. Sie brauchen keine Liturgie. Sie brauchen keinen angestellten Pastor. Stattdessen sind sie füreinander da. Jeder taucht darin auf. Jeder ist wichtig. Es gibt nur einen, der über ihnen steht. Sie sind sehr flexibel. Sie können sich schnell an Veränderungen anpassen. Sie agieren dezentral. Ihre Kommunikation ist individuell und personenmäßig überschaubar. Diese Beziehungen der Liebe Gottes sind wie die Familien in einem Staat, das menschliche Rückrat der Gemeinde Jesu. Ohne sie ist jede Gemeinde schwach und droht einzugehen. Aber mit diesen Zweier- und Dreierschaften entwickelt jede Gemeinde starke Beziehungen und blüht auf.

Könnte es sein, dass Gott uns das gerade beibringen will?

Könnte es sein, dass wir gar nicht auf das „normale“ Gemeindeprogramm warten sollen? Könnte es sein, dass wir gar nicht auf die üblichen Gottesdienstfeiern hoffen sollen?

Könnte es sein, dass Gott uns gerade die Chance gibt, wieder zu der Jesus-Bewegung zu werden, nach der Er sich immer gesehnt hat?

Darin sehe ich die Entwicklungsmöglichkeit für Gottes Volk in diesen Wochen und Monaten. Deshalb ist mein Plädoyer das: Sucht Euch diese Teams! Bildet 2’er- oder 3’er-Gruppen! Seid ganz bewusst mit Jesus unterwegs. Trefft Euch zu Spaziergängen oder im Garten. Zur Not mit Regenschirm und dicker Jacke. Tauscht Euch aus. Betet füreinander. Nehmt Euch bewusst vor, den anderen ehrlich zu ermutigen. Singt Loblieder für Gott. Feiert das Abendmahl. Lest zusammen in der Bibel. Und vor allem das: Bleibt dabei, auch, wenn es eines Tages wieder die üblichen Gottesdienstfeiern geben sollte. So hilfreich diese mal sein können – sie werden nie das ersetzen, was Ihr als Jesus-Team gelernt habt!

Hier findest einige Hilfen, um ein Jesus-Team zielgerichtet zu starten:
Youtube – Jesus-Teams


Eine Antwort auf „Auf was wartet die Gemeinde in Corona-Krisen-Zeiten?“

  1. Hi,
    du hast es für mich deutlich auf den Punkt gebracht.
    Das wäre wirklich etwas, wenn wir Christen solches aus der Krise lernen würden und anfangen, dies dauerhaft in unser Gemeindeleben einzubringen.

    Gruß, Charly

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