Auf was wartet die Gemeinde in Corona-Krisen-Zeiten?

Die Corona-Krise (besser formuliert: die entsprechenden Maßnahmen seitens der Regierung) verlangt uns viel ab. Hinsichtlich der Kirchen und Gemeinden ergeben sich Fragen. Möglicherweise auch existentielle Fragen.

Aktuell warten wir eine Verordnung ab, dann den nächsten Beschluss, eine weitere Vereinbarung… So geht das seit ca. Mitte März 2020. Sehr viele Gemeinden scheinen sich in den vergangen Wochen ruhig und angepasst verhalten zu haben. Man hat das gemacht, was die Regierung angewiesen hat.

So bemühten sich die Gemeinden, kreativ zu werden, um anderweitig „Gemeinde“ zu verkörpern: durch Online-Predigten, Online-Gottesdienstfeiern, Video-Chats, Telefonate, Telefon-Predigten… und mit den ersten gesetzlichen Lockerungen gab es einige Gemeinden, die nun versuchen, Gottesdienstfeiern vor Ort durchzuführen: mit dem entsprechenden Abstand von ca. zwei Metern, u.U. mit Gesichtsmaske, ohne gemeinsamen Gesang und ohne das wie übliche zelebrierte Abendmahl. Bilder solcher Veranstaltungen wirken sehr befremdlich.

Wie lange können und wollen Gemeinden das mitmachen?
Oder zugespitzt gefragt: Wie lange dürfen wir mitmachen?


Wer stellt sich hier die Frage: „Gott, was willst du?“

Noch erlebe ich vor allem die letzte Frage sehr selten unter den Christen, die ich kenne. Wie erwähnt: Man folgt den Anweisungen der Regierung.

Aber was will Gott in alledem?

Das muss doch die Frage sein, die uns am meisten bewegt! Beten wir denn nicht: „Dein Wille geschehe… dein Reich komme“!? Ist unser Bekenntnis denn nicht: „Jesus ist mein Herr und Erlöser“!?

Ihn müssen wir zuerst fragen – und Ihm dann auch Folge leisten. Das ist unser Glaube.

Was will Gott?

Wie ich schon geschrieben hatte, stehen wir als Christen in der Spannung zwischen „Seid der Obrigkeit Untertan“ und den Weisungen Gottes „Versammelt euch zur gegenseitigen Ermutigung“ beziehungsweise „Geht hinaus in die Welt“. Welches Gebot gilt mehr?

Bei solchen Überlegungen stoßen wir unweigerlich auf unsere Prägungen und Gedankenwelten. Will sagen: Unser Bild von Gemeinde und Gottesdienst leitet uns.

Wer bisher unter „Gemeinde“ das Gemeindehaus und die sonntäglichen Gottesdienstfeiern mit Predigt, Musik und einer gewissen Liturgie verstanden hat, wird alles Weitere eben daran messen: „Wann können wir endlich wieder diese Art der Versammlungen haben?“

Auch manche Hauskirchen dürften ähnliche Messlatten anlegen: „Wann dürfen wir uns wieder als Hauskirche im Wohnzimmer treffen?“

Ganz nüchtern geantwortet: Vielleicht erst in einem Jahr!

Erst in einem Jahr wieder das „normale“ Gemeindeprogramm?

Denn genau das sind die Ansagen der letzten Wochen gewesen: Erst, wenn ein Impfstoff für alle vorhanden ist, und eine Corona-App angewendet wird, können wir wieder in die Normalität zurückkehren (ich ergänze kritisch und provokant: … dann können wir wieder unsere Grundrechte umfassend wahrnehmen). Sollten Impfstoff und App tatsächlich das Ziel sein, dann müssen wir uns tatsächlich auf ca. ein Jahr (vielleicht auch länger) einstellen. So lange wird es keine üblichen Gottesdiensfeiern geben. Und Hauskreistreffen nur dann, wenn es zwischendurch gesetzliche Lockerungen geben sollte. Allerdings kann auch das passieren: dass die Zügel wieder enger gezogen werden, mit der Folge, dass Gottesdienstfeiern doch zeitweilig untersagt werden.

Frage: Darf das von Gott her sein, dass wir mindestens ein Jahr lang so als Christen leben? Ist das der Wille Gottes?

Von der Bibel wissen wir das:
1. Gelebte Gemeinschaft gehört zu unserem Wesenskern als Christen („Gemeinde“).
2. Und auch das: eine Gemeinschaft, die anderen hilft, ebenfalls den Frieden mit Jesus Christus zu finden („Mission“).
Es gibt keine Alternative für uns. Ansonsten würden wir unseren Glauben nicht mehr leben.

Wie können wir das umsetzen? Und zwar pro-aktiv und nicht nur auf neue Regierungsbeschlüsse wartend!?


Die Prinzipien Gottes für Gemeinde

Um den weiteren Weg klarer zu sehen, gibt uns Gottes Wort Orientierung. Wenn wir genauer hinschauen, dann entdecken wir gerade in der Corona-Krise, wie festgefahren unsere Vorstellungen von Gemeinde sein können.

Denn die Bibel zeichnet uns nicht das Bild vom Gemeindehaus plus einer sonntäglichen Gottesdienstfeier, die liturgisch gut vorbereitet ist, und einem Gemeindeprogramm, das den Bedürfnissen von Kindern, Jugendlichen und Senioren gleichermaßen gerecht wird!

Es gibt keine besonderen biblischen liturgischen Vorschriften für die Versammlung von Christen. Manche deuten das dann so, dass wir also unsere Liturgien hineinlegen können und sollen. Es könnte aber anders herum sein: In der Bibel gibt es keine liturgischen Vorschriften, WEIL ES NICHT UM LITURGIE GEHEN SOLL!

Aber um was dann?

Es geht um das Miteinander vor Gott. Es geht um die Begegnung zwischen den Nachfolgern Jesu. Sie ermutigen einander mit unterschiedlichen Gaben, damit sie weiterhin als Nachfolger Jesu im Alltag leben können. Dieses Zusammensein soll von Liebe geprägt sein. Es soll auf Augenhöhe geschehen. Ohne „Zeremonienmeister“, da wir untereinander Geschwister sind, wir alle als „Priester und Könige“ beauftragt sind, und wir nur einen Meister haben: Jesus Christus.

Wenn es im Kern um die Liebe geht (die Liebe von Gott zu uns, unsere Liebe zu Ihm, unsere Liebe füreinander, und so liebend in die Welt hinein), dann kann und darf es gar nicht um feste Abläufe gehen. Denn feste Abläufe (Liturgien) existieren irgendwann um ihrer selbst willen. Der einzelne Mensch taucht darin nicht auf. Gewiss können Ordnungen und Abläufe helfen. Aber in der Praxis ermöglichen sie es in der Regel nicht, dass der Einzelne zu Wort kommen kann. Wenn aber der Einzelne nicht zu Wort kommen kann, kann er nicht gehört werden. Wird er nicht gehört, taucht er im Grunde nicht auf. Ein gegenseitiges Ermutigen ist auf diese Weise unmöglich. Da herkömmliche Gottesdienstfeiern also oft einem bestimmten Schema folgen und in der Regel auf die Aktion von Wenigen setzen, behindern sie das gemeinsame Reden und Hören, was wiederum kein Zeichen der Liebe sein kann. Kurzum: unsere herkömmlichen Gottesdienstfeiern stellen ein Programm dar, das mal hilfreich sein kann, aber mal auch nicht. Hingegen muss eine Versammlung von Geschwistern vor Gott, die in Liebe geschieht, Raum und Zeit haben, damit Einzelne gehört werden.

Interessanterweise entspricht dieser Befund der Erfahrung, die ich zur Zeit mit Online-Gottesdiensten mache. Die willigen und fähigen Christen schalten sich in den Video-Chat ein. Auf dem Bildschirm tauchen alle Gesichter auf. Wir sehen nicht nur den Rücken des anderen, sondern wir können einander anschauen. In diesem Format findet Öffnung statt. Hier redet nicht nur einer, sondern alle dürfen Erkenntnisse und Erlebnisse austauschen. So wird auch miteinander gebetet. Diese Video-Gottesdienste sind im Kern höchst dialogisch. Es ist mehr Miteinander als wir es bei einer üblichen Gottesdienstfeier hätten. Und ich behaupte daher sogar das: Damit entsprechen wir mehr der Gemeinschaft, die Gott sich für uns gedacht hat.

Könnte es sein, dass wir gerade etwas entdecken, was Gott schon immer für uns wollte?

Nun können Online-Gottesdienste, so dialogisch sie sind, aber nicht jede Form von Gemeinschaft abdecken. Gemeinsamer Lobpreis ist nicht wirklich umsetzbar; gemeinsames Abendmahl am Bildschirm erscheint wie ein Knäckebrot im Vergleich zu einem saftigen, gut belegten Vollkornbrot. Und all das, was Beziehung und Gemeinschaft ausmacht, kann so nicht stattfinden: die Taufe, das Handauflegen, die Umarmung (geschweige denn der „Bruderkuss“ 🙂 ).

Daran merken wir: Online-Treffen offenbaren Schätze, die Gott in Seine Gemeinde gelegt hat. Aber sie sind kein Ersatz für die direkte Gemeinschaft vor Ort.

So oder so: Wir kommen nicht an der gelebten Beziehung vor Ort vorbei. Diese gehört zu unserem Christsein.

Dabei hat uns Gott in der Bibel längst gezeigt, wie diese Gemeinschaft gelebt werden kann: „Wo sich zwei oder drei…“.

Das Plädoyer für Gemeinde in Corona-Zeiten

Die Antwort ist die kleinste Kleingruppe, die es gibt: eine Zweier- oder auch Dreierschaft!

,So hat Jesus Seine Leute missional geprägt: Er sandte sie zu 2. in Dörfer und Städte. So hat Er selbst intensive Gemeinschaft gelebt: Indem Er drei der Apostel zu Seinem engeren Freundeskreis zählte (Petrus, Johannes, Jakobus). Diese kleinen Mannschaften sind Gemeinde im Mini-Format. Sie brauchen kein Gemeindehaus. Sie brauchen keine Liturgie. Sie brauchen keinen angestellten Pastor. Stattdessen sind sie füreinander da. Jeder taucht darin auf. Jeder ist wichtig. Es gibt nur einen, der über ihnen steht. Sie sind sehr flexibel. Sie können sich schnell an Veränderungen anpassen. Sie agieren dezentral. Ihre Kommunikation ist individuell und personenmäßig überschaubar. Diese Beziehungen der Liebe Gottes sind wie die Familien in einem Staat, das menschliche Rückrat der Gemeinde Jesu. Ohne sie ist jede Gemeinde schwach und droht einzugehen. Aber mit diesen Zweier- und Dreierschaften entwickelt jede Gemeinde starke Beziehungen und blüht auf.

Könnte es sein, dass Gott uns das gerade beibringen will?

Könnte es sein, dass wir gar nicht auf das „normale“ Gemeindeprogramm warten sollen? Könnte es sein, dass wir gar nicht auf die üblichen Gottesdienstfeiern hoffen sollen?

Könnte es sein, dass Gott uns gerade die Chance gibt, wieder zu der Jesus-Bewegung zu werden, nach der Er sich immer gesehnt hat?

Darin sehe ich die Entwicklungsmöglichkeit für Gottes Volk in diesen Wochen und Monaten. Deshalb ist mein Plädoyer das: Sucht Euch diese Teams! Bildet 2’er- oder 3’er-Gruppen! Seid ganz bewusst mit Jesus unterwegs. Trefft Euch zu Spaziergängen oder im Garten. Zur Not mit Regenschirm und dicker Jacke. Tauscht Euch aus. Betet füreinander. Nehmt Euch bewusst vor, den anderen ehrlich zu ermutigen. Singt Loblieder für Gott. Feiert das Abendmahl. Lest zusammen in der Bibel. Und vor allem das: Bleibt dabei, auch, wenn es eines Tages wieder die üblichen Gottesdienstfeiern geben sollte. So hilfreich diese mal sein können – sie werden nie das ersetzen, was Ihr als Jesus-Team gelernt habt!

Hier findest einige Hilfen, um ein Jesus-Team zielgerichtet zu starten:
Youtube – Jesus-Teams


Corona-Krise: Seid der Obrigkeit Untertan!

Christen sind nicht wirklich Revoluzzer.

Gottes Wort weist uns an, die Gesetze der Regierung zu achten und diese zu befolgen. Begründung: die Regierung hätte keine Macht, wenn sie nicht von Gott zugelassen wäre.

Das gilt auch in Corona-Krisen-Zeiten: Wenn die Regierung (u.U. verfassungswidrige) Gesetze erlässt, halten wir uns als Christen dennoch daran. Wenn – aktuell wegen des Gesundheitsschutzes – wir uns nicht versammeln dürfen, dann folgen wir der Regierung.

Ist das so?

Es gibt Grenzen des Gehorsams gegenüber der Regierung.

Als Christen glauben wir, dass unser König mächtiger ist als jede menschliche Regierung. Letztlich wird sich jede Regierung vor Jesus Christus, dem wiederkommenden Sohn Gottes, Erlöser und Richter beugen müssen und Rechenschaft abgeben müssen über ihr Handeln.

Als Christen glauben wir, dass Gottes Reich durchbricht. Das ist zuerst ein geistliches Geschehen und kein Parteiprogramm. Dennoch hat es eine zutiefst politische Dimension, weil wir dafür beten, dass Gottes Herrschaft kommen soll – und nicht eine menschliche.

Das heißt: Wir sind zuerst Gott und Seinen Geboten verpflichtet und nicht zuerst den Gesetzen einer irdischen Regierung. Nur, weil Gott gebietet, dass wir der Regierung Untertan sein sollen, deshalb achten wir das irdische Regierungshandeln.

Dahinter stecken auch diese Fragen: Wen ehren wir mehr? Wen fürchten wir mehr?

Gott? Die Regierung? Einen Virus?

Das sind tiefgehende, persönliche Fragen – aber auch Fragen an das Volk Gottes weltweit.

In der jetzigen Corona-Krisen-Zeit kommen wir als Christen (wahrscheinlich gleichermaßen wie Moslems und Juden) in eine Spannung: Einerseits sollen wir die Gesetze der Regierung achten, welches heißt „Versammelt Euch nicht!“.

Andererseits sollen wir uns nach Gottes Gebot versammeln… und weitere Menschen dazu sammeln (s.a. Mt 28,18 ff. u.a.).

Welches Gebot gilt nun mehr?

Das Gesetz der Regierung zu achten oder das Gebot, sich als Leib Jesu zu versammeln?

Die Antwort dürfte komplex ausfallen.

Denn anders als in den Situationen der verfolgten Kirche, agiert unsere Regierung aktuell ja nicht ausdrücklich gegen die Christen. Die Regierung ist nicht für immer und überhaupt gegen Gottesdienstfeiern und ähnliche Treffen. Die Regierung arbeitet daran, solche Treffen in einer bestimmten Form wieder zu ermöglichen. Das Versammlungsverbot gilt allen Menschen. Die Begründung ist die des Gesundheits- und Lebensschutzes von Menschen. Hinter diese Begründung können wir uns als Christen ausdrücklich stellen. D.h.: Um Menschenleben und ihre Gesundheit zu bewahren, können wir auf christliche Versammlungen verzichten.

Eine zeitlang.

Denn schon jetzt ist der Wesenskern unseres christlichen Glaubens berührt, vielleicht sogar verletzt. Unser dreieiniger Gott ist ein Gott der Gemeinschaft. Er schuf die Menschen zur Gemeinschaft hin. Er will, dass wir in Liebe und im Frieden miteinander sind, andere zu diesem Gott einladen und weitere Treffpunkte starten, damit sich noch mehr Gottesmenschen treffen können. Unsere Treffen verkörpern also einen wichtigen Teil dieser Gottes- und Christengemeinschaft. Ohne diese Treffen können wir unseren Glauben auf Dauer nicht leben. Dabei spielt die Anzahl der Gläubigen vor Ort zunächst keine ausschlaggebende Rolle: Ob wir uns zu 3. oder zu 300 treffen, ist nicht der Maßstab. Aber der entscheidende Aspekt ist der: DASS wir uns mit anderen Glaubensgeschwistern und Interessierten am Glauben treffen können. Diese Möglichkeit zu entziehen, geht zentral gegen den christlichen Glauben. Und nebenbei: Damit geht es zentral gegen das verfassungsmäßige Gesetz der Religionsfreiheit.

Was tun?

Das Problem in der Exegese ist, dass uns die Bibel keinen vergleichbaren Fall schildert. Aus der Bibel kennen wir Fälle, wonach Christen vertrieben worden sind und Versammlungen angegriffen worden sind. Doch es ging stets gezielt gegen „die“ Christen, und es handelte sich nicht um Verfügungen, die die Allgemeinheit betrafen. In diesen Verfolgungssituationen wurde den leidenden Christen zugesagt, dass sie das Leid ihres Herrn erfahren und sich darüber glücklich schätzen dürfen. Deshalb ertrugen viele Christen dieses Leid und wehrten sich nicht gegen die Maßnahmen. Mitunter verschwanden sie im „Untergrund“ und trafen sich heimlich – so wie die verfolgte Kirche auch heutzutage. Doch eben diese Erlebnisse sind nicht mit der aktuellen Corona-Krise gleichzusetzen.

Wir haben also zwei widerstreitende Gebote Gottes („Seid der Obrigkeit Untertan“ vs. „Versammelt Euch, pflegt Gemeinschaft und sorgt dafür, dass weitere solcher Treffen stattfinden“) und kein biblisches Fallbeispiel, an dem wir uns orientieren könnten.

Damit haben wir als Volk Gottes umso mehr interne Spannungen. Während die einen die Gesetze der Regierung achten wollen, wollen sich die anderen dennoch treffen. Und beide Gruppen können sich auf Gottes Wort stützen.

Das Risiko dabei ist, dass sich das Volk Gottes in dieser Phase trennen kann. Dabei wissen wir als Christen: „Erkenntnis ist Stückwerk!“. Und: „Die Stärkeren sollen die Schwächeren mittragen!“. Und: „Die Liebe ist das Höchste!“.

Wir sind also auf die ganz wesentlichen, aber allgemeinen Weisungen Gottes zurückgeworfen: Liebe Gott und den Nächsten wie dich selbst!

Oder vielleicht etwas handhabbarer gefragt: Was würde Jesus tun?

Ein hilfreiches Kriterium können die „Schwächeren“ sein.

Als Christen sind wir aufgefordert, auf die Schwächeren Rücksicht zu nehmen, ohne uns von ihnen dominieren zu lassen, weil nicht sie unser Herr sind, sondern nur Christus allein.

Aber wer sind „die Schwächeren“ jetzt?

Sind es die, die Angst vor einer Ansteckung haben?

Die, die zur Risikogruppe der Älteren und Vorerkrankten gehören?

Sind es die, die als Single, Witwe und Witwer, als Alleinerziehende oder als schutzloses Kind in einer instabilen Familie gerade sozial und psychisch verkümmern?

Sind es die, die aufgrund mangelnder Live-Kontakte in Depressionen rutschen?

Sind es die, die ohne Gemeinschaft vor Ort in ihrem Glauben Schiffbruch erleiden?

Wer „schwächer“ ist, beurteilt sich normalerweise im jeweiligen Kontext, also in einer konkreten Beziehung. Hier aber stehen wir nicht vor einer konkreten Beziehung, sondern vor einer Vielzahl ganz unterschiedlich gelagerten Beziehungen – eben vor den gesamten Lebenssituationen des Volkes Gottes. Wir haben es mit einer Vielzahl von „Schwächeren“ zu tun, deren Situationen kaum vergleichbar sind. Hier sind die, die an einer Krankheit sterben könnten. Natürlich wollen wir sie schützen. In diesem Fall sollte das Versammlungsverbot noch lange aufrecht erhalten bleiben. Aber dort sind die, die aufgrund der Kontaktbeschränkungen seelisch oder auch körperlich eingehen, bis hin zu schlimmen Szenarien wie ein frühzeitiger Tod, weil ein Senior kaum noch Besuch empfängt, oder der Selbstmord eines Depressiven. In diesem Fall brauchen wir unbedingt die Möglichkeit von Treffen. D.h.: Die Frage nach dem „Schwächeren“ führt kaum weiter.

Welche Maßstäbe haben wir dann?

M.E. müssen wir irgendwann die Sachebene angehen. Sprich: Auf welcher wissenschaftlichen Grundlage werden die Kontaktbeschränkungen beschlossen?

Hier wird es zunächst pragmatisch, denn es muss betrachtet werden, welche wissenschaftlichen Erkenntnisse zu Covid19 bisher existieren. Schließlich beruft sich auch unsere Regierung darauf.

Nun wissen wir, dass sich auch Wissenschaftler irren können und dass die Menschheit immer wieder Erkenntnisse gewinnt, die manche Thesen über Bord geworfen haben. Allein dieser Befund weist uns darauf hin, dass es weise ist, eine Vielzahl von wissenschaftlichen Thesen zu berücksichtigen. Streng genommen dürfte das auch der Anspruch eines Wissenschaftlers sein, stets nur von verwerfbaren Arbeitshypothesen auszugehen und nicht von in Beton gehauenen ewigen Wahrheiten.

Und was sagt „die“ Wissenschaft in diesen Tagen zum Corona-Virus?

Jede Menge! Und zwar auch Konträres.

Spätestens an dieser Stelle begegnen wir einem Problem im öffentlichen Diskurs. Denn eine grundlegende Frage ist – im Grunde auch wissenschaftliche, denn Wissenschaft fragt nach den Quellen -, woher wir wissen, welche Wissenschaftler was meinen. Was sind unsere Informationsquellen?

Es braucht etwas Recherchearbeit, um die verschiedenen Quellen ausfindig zu machen. Möglicherweise läuft es aber darauf hinaus:

Es gibt eine breite Masse von Menschen, die sich von der Tagesschau, den Tagesthemen und manchen Leitmedien her informieren. Wer die Berichterstattung über die Wochen reflektiert, stößt zumeist auf die gleichen Thesen. Die Quelle ist jeweils das Robert Koch-Institut, manchmal das Helmholtz-Institut oder die John Hopkins University und schließlich die WHO. All diese Einrichtungen vertreten weitgehend eine ähnliche Linie. Das Plädoyer für einen Shutdown steht. Lockerungen werden sehr kritisch gesehen, und wenn solche erfolgen, dann nur mit entsprechender Kontrolle der Menschen. Man hofft auf eine schnelle Entwicklung eines Impfstoffes.

Man muss oft abseits der Leitmedien suchen, um auf andere renommierte Wissenschaftler zu stoßen, viele von Weltrang. Unter diesen gibt es etliche, die den Shutdown für überzogen halten oder die die offiziellen Statistiken für fehlerhaft und irreführend halten. Das Ergebnis bei ihnen läuft oft darauf hinaus: Das jetzige Virus sei nicht gefährlicher als eine schwere Grippe. Und da wir bislang die Menschheit deswegen nicht „eingesperrt“ haben, sollten wir es dieses Mal auch nicht tun.

Für einen kritischen Beobachter entsteht ein neuer Zwiespalt: Welchen Wissenschaftlern soll ich trauen? Oder auch: Welchen Medien soll ich trauen?

Im Grunde führt an der Stelle kaum etwas daran vorbei, sich eingehender mit der Materie zu beschäftigen, um sich eine fundierte Meinung leisten zu können. Dabei müssen Fragen gestellt werden. Ich führe einige Fragen auf:

  • Welche Studien existieren bereits? Was sagen diese aus? Wer hat sie verfasst?
  • Welche Definitionen werden verwendet? Wer gilt als „infiziert“? Wer als „Corona-Toter“?
  • Was genau passiert bei einer Infektion? Wie ist der Verlauf? Wer ist besonders gefährdet? Wie wird man überhaupt infiziert?
  • Welche Parallelen gibt es zwischen den betroffenen Regionen? Welche Unterschiede gibt es? Wie sind die Krankenhäuser aufgestellt? Was ist mit psychologischen Aspekten der Krisenkommunikation? Wie ist die Altersstruktur vor Ort? Was sind die Umweltbedingungen?
  • Vielleicht auch: Wer beeinflusst hier wen? Anders formuliert: Wer hat die Deutungshoheit und warum?

Diese und ähnliche Fragen gehören in die Erforschung des Themas.

Wer sich dem stellt, kommt auf Antworten.

Und diese laufen bislang darauf hinaus:

  • Das Virus ist im Gesamtergebnis (Anzahl der bisher Infizierten, Erkrankten und Toten) wie eine schwere Grippe.
  • Bei den allermeisten verläuft die Infektion symptomfrei oder es gibt nur milde Verläufe.
  • Es handelt sich nicht um eine Schmierinfektion und auch nicht um eine Infektion via Luft. Es scheint eine Tröpfcheninfektion zu sein.
  • Betroffen sind mehrheitlich Menschen ab ca. 60 Jahren, dann auch eher die mit gewissen Vorerkrankungen.
  • Es gibt zwar noch keinen Impfstoff gegen das Virus, aber auch in den letzten Jahren gab es nie einen Impfstoff gegen jede Grippevirus.

Wenn dem so ist, dann muss sich die Frage der Verhältnismäßigkeit stellen.

Mit welcher Begründung werden dann etliche Grundrechte weitgehend außer Kraft gesetzt, Firmen in den Ruin getrieben, Menschen in die Arbeitslosigkeit und Gesellschaften in weitere soziale Spannungen?

Andere fragen vorher nochmal nach: Wieso sollte ich dem RKI & Co nicht glauben? Auch dafür findet man Antworten… keine, die die Glaubwürdigkeit insgesamt ramponieren würden, aber durchaus welche, die nachdenklich stimmen. Wahrscheinlich muss ich es an der Stelle ausdrücklich formulieren, um nicht missverstanden zu werden: Ich will hier keine geheime Verschwörung offenbaren, sehr wohl aber wirtschaftliche Verflechtungen, die zu dem Problem führen, inwiefern der Profit über das Allgemeinwohl gestellt wird. Nachprüfbare Tatsache ist nämlich, dass die Bill & Melinda Gates Foundation sowohl die WHO als auch die John Hopkins University mitfinanzieren. Zudem haben das Helmholtz-Institut und auch das RKI Gelder von der Foundation erhalten. Bill Gates hat in Pharmaunternehmen investiert und verdient einen Teil seines Geldes damit. Mit seiner Hilfe wurden vor allem in unterentwickelten Staaten Impfprogramme durchgeführt, die teilweise zu Toten und Schwerkranken geführt haben. Es besteht der Verdacht, dass eben die besonders schwachen Menschen als „Versuchskaninchen“ missbraucht worden sind, weil sie keine Lobby haben. Unlängst hatte Bill Gates eine längere Redezeit in der ARD bekommen, um für das Impfen zu werben, und forderte die Regierungen der Welt dazu auf, die Impfforschungen finanziell zu unterstützen. Nun könnte es wundersam sein, dass es statt der üblichen 15 Jahre nur ein Jahr dauert, bis ein Impfstoff gegen Corona existiert, der dann sogar keine Nebenwirkungen hat. Es mag sein, dass dies tatsächlich eine Hilfe wäre. Dennoch muss erkannt werden, dass es hier auch wirtschaftliche Interessen gibt, die mit den finanziellen Mitteln eines Bill Gates mehr forciert werden können als die Interessen und Thesen anderer Menschen. Kurzum: Er verdient Geld mit dem Impfen, bekommt entsprechende Werbezeit, um zu den Massen zu sprechen, während die Meinungen von diversen, andersdenkenden Wissenschaftlern nicht gleichermaßen gehört werden. Ich sage nicht, dass Bill Gates ein Virus erfunden hat. Aber ich sehe auch nicht, dass er nur ein Gutmensch wäre. Mich macht das skeptisch.

Das heißt nicht, dass das RKI nicht im guten Sinne bemüht ist und hier und da gute Ergebnisse abliefert. Es geht nicht um eine grundsätzliche Ablehnung dieser Arbeit. Aber es geht sehr wohl ein kritisches Reflektieren, wer uns unter welcher Einflussnahme Empfehlungen gibt. Überspitzt gesagt: Jeder wäre sofort kritisch, wenn ein Zuckerlieferant ein minutenlanges Plädoyer für den Zuckerkonsum hält. Wir würden sofort wirtschaftliche Interessen vermuten und entsprechende Studien bemühen, die uns darlegen, dass Zucker eben nicht so gesund ist. Warum sollte diese kritische Reflektion in Anbetracht eines Virus außer Kraft gesetzt sein?

Ich schreibe nun ganz persönlich:

Wenn ich auf entsprechende Studien und Wissenschaftler verweise – also recht sachlich vorgehe -, dann erlebe ich dennoch, wie Menschen emotional abschalten. Nicht wegen der Sachlichkeit, die langweilen würde. Denn das Problem ist, dass die meisten Menschen kein Sachargument haben, um meiner Meinung etwas dagegen zu stellen. Verschiedentlich hatte ich dazu aufgefordert, meine These zu widerlegen. Entweder wollte man nicht oder konnte es nicht. Ich warte immer noch…

Stattdessen wird es dann emotional.

So wurde ich auf Facebook „entfreundet“. Man vermutete, dass ich kein Mitleid mit den Opfern hätte. Man warf mir mangelnde Intelligenz vor. Alles interessante Abwehrmechanismen. Rein emotional. Nicht sachlich. Laienpsychologisch eine interessante Sache, die ich mir nur so erklären kann: Menschen sehen Bilder und hören Berichte in den Leitmedien, die oft nur eine Meinung bringen. Sie hinterfragen nicht, sondern glauben all das. Die Bilder und Berichte produzieren Angst. Schon wieder Tote! Noch mehr Infizierte! Und so weiter. Es wächst das Gefühl: Der Tod steht vor der Tür. Spätestens jetzt werden Überlebensmechanismen in Gang gesetzt. Weil man überleben will, fängt man zu kämpfen an – oder man flüchtet.

Natürlich erlebe ich auch Bestätigung. Ich lese und höre von anderen, die ebenfalls hinterfragen und recherchieren und schließlich auf ähnliche Thesen kommen. Leider nehme ich an der Stelle eine neue Spannung wahr: sowohl in sozialen als auch in vielen Leitmedien werden diese Menschen mehr und mehr als „Verschwörungstheoretiker“ dargestellt. Da muss man unbedingt nachfragen: Was ist das?

Ist ein Verschwörungstheoretiker jemand, der eine andere These vertritt als die Regierung durch das RKI? Oder ist das jemand, der eine andere Auffassung hat als die Mehrheit der Bevölkerung? Sollte das gemeint sein, dann würde es sich bei dem Wort „Verschwörungstheoretiker“ um ein Totschlagargument handeln, das jegliche Erörterung beenden will. Oder ist jemand gemeint, der behauptet, dass wahlweise die USA, China, Russlang oder Bill Gates den Virus freigesetzt haben, um ihre fiesen Pläne zu realisieren? Sollte das gemeint sein, kann ich verstehen, dass es sich um eine Theorie der Verschwörung handelt. Diese kann wahr sein. Diese kann falsch sein. Solange es keine eindeutigen Hinweise oder Beweise gibt, kann all das denkmöglich sein, bildet aber bis dahin eine schlechte Grundlage für weiteres Handeln.

Ich bin ein Stück weit abgeschweift, hielt diese Erkenntnisse aber für relevant, um die aktuelle Lage zu verstehen.

Bisher habe ich gesehen, dass wir in der Bibel kein eindeutiges Gebot für diese Situation haben. Aber wir spüren dennoch Spannungen zwischen den Geboten und wissen, dass wir auf Dauer nicht ohne Treffen sein können. Ein Wesenskern unseres Glaubens steht auf dem Spiel.

Wenn wir weitere Sachinformationen einbeziehen, muss sich die Frage stellen, ob die Maßnahmen der Regierung verhältnismäßig sind. Das darf aufgrund der bisherigen Studien bezweifelt werden.

Warum die Regierung dennoch an den jetzigen Maßnahmen festhält, muss als Verkettung mit dem RKI verstanden werden. Das RKI sind die Experten, die von der Regierung das entsprechende Vertrauen bekommen haben. Das RKI wiederum orientiert sich an der WHO. Und wer dann weiterforscht, entdeckt die Einflussnahme der Pharmaindustrie auf die WHO. Diese Einflussnahme wird realistischerweise nicht 1:1 an das RKI oder die Regierung weitergeleitet. Aber sie existiert nachweislich. Deshalb muss es umso kritischer machen, wenn dann Bill Gates, als der größte WHO-Einzelspender durch seine Stiftung, für Impfungen in der ARD werben darf.

Selbst, wer Recherchen dazu ablehnt, ist nun eingeladen, etwas kritischer mit den Berichten in den Leitmedien zu sein.

Die Antwort auf die Sachfrage ist gegeben (s.o.). Andere Thesen wären entsprechend zu untermauern. Von meiner Seite kann ich gerne entsprechende Links zu den Studien und wissenschaftlichen Einschätzungen einfügen.

Wenn die Antwort auf die Sachfrage aber so ausfällt wie genannt, dann muss sich die spannende Frage zwischen der Gewichtung der o.g. Gebote (Untertan vs. Versammlung) etwas leichter beantworten lassen.

Ein Team leiten – Du musst kein Superstar sein!

Letztens sprach ich mit einer Iranerin. Eine Christin, die ca. 60 Jahre alt ist. Sie hatte sich gut gekleidet, aber nicht zu fein. Weder ihre Rhetorik, noch ihr sonstiges Auftreten erweckten den Eindruck, dass ich es mit einer dominanten Power-Frau zu tun hatte. Sie wirkte wie eine ganz normale Frau.

Dann erzählte sie mir, dass sie in Deutschland zwei Gemeinden gegründet hat. Zwei Gemeinden! Wohl mehrheitlich mit iranisch-stämmigen Menschen. Ich musste kurz innehalten: da sitzt mir diese normale Frau gegenüber und erzählt mir, dass sie zwei Gemeinden gegründet hat.

Stark!

Diese Begegnung erinnerte mich an das, was der Autor Joel Comiskey in seinem Buch „Home Cell Group Explosion“ dargestellt hat. Dort nimmt er immer wieder Bezug auf eine von ihm durchgeführte Studie (Teil 1 meiner Zusammenfassung: „Kleingruppen-Explosion“ / Teil 2: „Mission der Kleingruppen„).
Eine wesentliche Erkenntnis der Studie ist die:

Das Starten, Leiten und das Wachstum einer Kleingruppe hat nichts mit bestimmten spirituellen Gaben zu tun (S.29)! Was aber beachtlich ist: In einem solchen Team sollte die Gabenvielfalt der Teilnehmer gesehen und gewollt sein. Es ist der Gabenmix, der eine Kleingruppe zum Aufblühen bringen kann.

Das zeigte die Studie ebenfalls:

Sowohl introvertierte als auch extrovertierte Menschen können eine Gruppe erfolgreich in die Multiplikation führen (S.31). Auch gemessen am sog. DISG-Persönlichkeitstest konnte nicht deutlich werden, dass eine bestimmte Persönlichkeitsgruppe hervorstach (S.32).

Schließlich spielen auch das Geschlecht, das Alter, die Ausbildung oder der Beruf keine ausschlaggebende Rolle für die Vervielfachung einer Kleingruppe.

Comiskey schlussfolgert (sinngemäß von mir übersetzt, S.32):

„Team-Leiter, sei ermutigt. Ob du männlich oder weiblich, gebildet oder ungebildet, verheiratet oder Single, schüchtern oder offen, ein Lehrer oder Evangelist bist – du kannst deine Kleingruppe zum Wachstum bringen.“

Oder so gesagt:

Du musst kein Superstar sein!

Bildquelle: lizenzfrei via https://www.pexels.com/de-de/foto/miniatur-spielzeug-superheld-2707594/ am 11.11.2019

Die Mission der Kleingruppen

Fortsetzung von „Kleingruppen-Explosion – Wie deine Kleingruppe wachsen kann und sich vervielfachen kann“.

Comiskey zitiert in seinem Buch den Professor Mikell Neumann am „Western Seminary“ in Portland, der aus Untersuchungen schlussfolgert (S.22):

„Während wir annahmen, dass Evangelisation ein Schlüssel für ‚Wohnzimmer-Gruppen‘ (Anm.: freie Übersetzung von mir für das Wort ‚home group ministries‘) ist, waren wir überrascht von der Wucht dieser Wichtigkeit…“

Ebenso zitiert er den Gründungspastor von DOVE Christian Fellowship, Larry Kreider:

Das Hauptziel für jede Kleingruppe (‚cell group‘) muss es sein, einen Rettungsladen einen Meter (‚yard‘) vor der Hölle zu betreiben. Ansonsten wird diese Gruppe zu einem sozialen Club ohne Auswirkungen.“

Im Weiteren betont Comiskey die Wichtigkeit dessen, dass jede Kleingruppe diesen evangelistisch-missionarischen Fokus hat. Es brauche die Absicht, dass sich die Gruppen multiplizieren. Diese Absicht finde man auch schon in der Bibel oder in der Kirchengeschichte (z.B. Wesley).

Damit drückt Comiskey das aus, was ich selbst immer wieder beobachte und selbst erfahren habe:


Ein Hauskreis, die einfach nur Hauskreis sein will, bleibt ein Hauskreis, der kaum Segensfolgen für andere hat.

In vielen Fällen gehen solche Gruppen wieder ein. In seltenen Fällen bleiben diese Gruppen über Jahre bestehen, aber erleben nicht, dass sich andere Menschen zu Jesus wenden oder andere Christen im Glauben gestärkt werden. D.h.: sie bleiben fruchtlos.

Es ist wie im „echten Leben“:
Wer ziellos lebt, erreicht alles und nichts. Es gibt ja kein Ziel. Also, hat man es schon erreicht. Oder auch nicht. Man weiß es nicht. So ein Leben ist ziemlich irrelevant. Und vor allem nicht das, wofür Gott uns geschaffen hat.

Tatsächlich gibt es ja doch Ziele in den Gruppen, und zwar oft unausgesprochene.
Zum Beispiel, dass man seinen Insider-Club haben will, wo nur die drin sein dürfen, die auf der gleichen Wellenlänge sind. Man will nur Zeit mit denen verbringen, die einem sympathisch sind. Anders gesagt: Freunde tun Freunden Gutes. So sichert man sich die Anerkennung, nach der wir uns alle sehnen.

Jesus wies daraufhin: Das tun die Gottfernen auch!


Die Jesus-Nachfolger aber sollen anders leben: hin in die Welt, hin zu den Sündern, hin zu den Außenseitern… bis hin zu den Feinden, um sie für Gottes Liebe zu gewinnen.

Alles, was Jesus tat und lebte, wies in die eine Richtung:
Gottes Reich soll wachsen!
Alle Menschen und Völker sollen in die Gemeinschaft mit Gott finden.
Dafür heilte, befreite, verkündete, lebte und starb Jesus.

Jesus-Nachfolger folgen Jesus nach.
Eine simple Aussage.
Aber eine mit viel Stoff!


Denn das heißt für Kleingruppen/Hauskreise:
Wenn sie zu Jesus gehören, dann sind es Missions-Teams!


Es gibt ein Ziel für die Gruppen: Gottes Liebe in dieser Welt durch Worten und Taten verkündigen!

Das Ziel Jesus ist längst geklärt.
Hauskreise, die sich danach ausstrecken, leben in der Nachfolge Jesu und haben die Chance, sich zu vervielfältigen.


Bildquelle: https://www.pexels.com/de-de/foto/futuristischer-hintergrund-mission-1425564/ by zoomstock (lizenzfrei)


Kleingruppen-Explosion – Wie deine Kleingruppe wachsen kann und sich vervielfachen kann

So ähnlich lautet der Titel des Buches von Joel Comiskey, mit einem Vorwort von C.Peter Wagner (Originaltitel „Home Cell Group Explosion – How Your Small Group Can Grow and Multiply„; Cell Group Resources, a division of TOUCH Outreach Ministries Houston, Texas, USA; 2002).

(„TOUCH“ wurde 1972 von Dr. Ralph W. Neighbour, Jr. gegründet, mit dem Wunsch, normalen Gemeinden zu helfen, den Schwerpunkt nicht auf die üblichen Programme zu legen, sondern auf die Kleingruppen-Arbeit.)

In dem Buch stellt Comiskey dar, zu welchen Ergebnissen seine Untersuchung von acht schnell wachsenden Zell-Gemeinden geführt hat. In jeder dieser Gemeinden habe er acht Tage zugebracht. Insgesamt hätten mehr als 700 Kleingruppen-Leiter seinen Fragebogen beantwortet.

Untersucht hat er diese Gemeinden:
Bethany World Prayer Center (USA, ca. 600 Kleingruppen)
The Christian Center of Guayaquil (Ecuador, ca. 2.000 Kleingruppen)
Elim Church (El Salvador, ca. 5.500 Kleingruppen)
Faith Community Baptist Church (Singapure, ca. 600 Kleingruppen)
The International Charismatic Mission (Kolumbien, ca. 20.000 Kleingruppen)
Love Alive Church (Honduras, ca. 1.000 Kleingruppen)
Living Water Church (Peru, ca. 900 Kleingruppen)
Yoido Full Gospel Church (Korea, ca. 25.000 Kleingruppen)

In der folgenden Zeit will ich einige Erkenntnisse aus diesem Buch wiedergeben (m.E. gibt es das Buch nicht auf Deutsch). Immer stückweise. Hier ein Häppchen, dort ein Häppchen. Ich habe das Buch noch nicht ganz durchgelesen, aber schon die ersten Seiten haben mich gefesselt.

Jetzt nenne ich nur diese Erkenntnisse von Comiskey:

Was ist eine „Zell-Gemeinde“?

In einer Zell-Gemeinde sind die Kleingruppen nicht ein Extra-Programm der Gemeinde, sondern sie sind das Herzstück, das Wesen der Gemeinde. Das Gemeindeleben, ob Lobpreis, Gebet, Lehre usw., findet hauptsächlich in den Kleingruppen statt.
Dabei sind die Zellen offen für Neue und sie sind evangelistisch eingestellt. Man trifft sich wöchentlich, um einander zu stärken und um das Evangelium denen weiterzugeben, die Jesus noch nicht kennen. Das Ziel ist daher auch die Vervielfachung der Gruppe.
Dieser Dienst wird durch regelmäßige Gottesdienstfeiern unterstützt, zu dem alle Kleingruppen zusammenkommen.


Der Prozess der Gruppen

Wie bei einer menschlichen Zelle gehen diese Teams durch einen Prozess:
1. Lern-Phase – ca. ein Monat
Die Mitglieder der Gruppe lernen sich kennen.

2. Liebes-Phase – ca. ein Monat
Masken fallen, Ecken & Kanten werden deutlicher, Konflikte können zu Tage treten.

3. Verbindungs-Phase – ca. ein Monat
Die Mitglieder finden in ihre Rollen hinein. Jetzt sollte das evangelistische Training beginnen.

4. Start-Phase – ca. ab dem vierten Monat
Nun befindet sich das Team im evangelistischen Modus.

5. Loslass-Phase – kann ein Jahr lang dauern
Nun soll mit Neubekehrten eine zweite Gruppe gestartet werden.

Comiskey geht es bei der Darstellung nicht zuerst um den Aufbau von Mega-Churches und einen Zahlen-Fetischismus. Sondern er hat die Sehnsucht des himmlischen Vaters vor Augen, wie sie u.a. in Matthäus 28,19 ff. genannt ist: Mögen alle Völker Gottes Liebe empfangen und zu Nachfolgern Jesu werden!

Teil 2 folgt demnächst…



Bildquellen (lizenzfrei):
https://pixabay.com/vectors/zap-comic-comic-book-fight-4335490/
https://www.needpix.com/photo/178551/choir-gospel-people-group-standing-performance-spiritual-praise-sing


Start einer neuen Videoreihe für Jesus-Nachfolger und Team-Starter

Ich bin überzeugt, dass unsere Gemeinden und Kirchen die einzelnen Nachfolger Jesu Christi stärken müssen. Es geht um „Jüngerschaft“ und den Aufbau von Reich Gottes-Teams. Es geht um das sich vervielfältigende Leben Gottes in dieser Welt. Mit dieser neuen Videoreihe werden Hilfen gegeben: Wie können starke Jesus-Teams aufgebaut werden? Was sind die wichtigen Aspekte der Jesus-Nachfolge? Wie kommen wir in eine Multiplikation von Gottes Leben hinein?

Hier ist das erste Video „Biblische Grundlagen für starke Nachfolger-Teams“. Eine grobe Übersicht, um die Wichtigkeit solcher Teams besser zu verstehen.

Wichtige Prinzipien für eine Gemeinde, die auf multiplikative Kleingruppen setzt

Dea Hee Kim hat in seiner Doktorarbeit (Mai, 2010) einige Prinzipien erforscht, die für die Kleingruppenarbeit einer Gemeinde wichtig sind. Sein Schwerpunkt liegt dabei auf einer effektiven Strategie für die Entwicklung von Leitern für eine sog. Zell-Gemeinde (Titel der Arbeit: „AN EFFECTIVE STRATEGY FOR LEADERSHIP DEVELOPMENT IN THE CELL CHURCH„).

Hier folgen einige seiner Erkenntnisse

1.Der leitende Pastor (ich ergänze: das Leitungsteam) muss die Vision für diese Art von Kleingruppen-Gemeinde haben. Es geht also nicht um den Aufbau einer großen Gemeinde, sondern um den Aufbau einer Gemeinde, die durch kleine Teams die persönliche Jesus-Nachfolge fördert.

2. Eine „gesunde“ Leiterschaft der Kleingruppen ist ausschlaggebend. Nachwachsende Führungskräfte werden in die Teams hineingenommen und lernen am direkten Vorbild eines bereits tätigen Leiters.

3. Eine Zell-Gemeinde hat durchaus auch die „großen“ Gottesdienstfeiern, zu der die Teams zusammenkommen. Das hilft, eine gesunde Balance zu bewahren.

4. Um eine gute Leiterschaft zu entwickeln, braucht es ein durchdachtes Konzept. Wie kann sich ein normales Gemeindemitglied zu einer Führungskraft entwickeln? Welche Wege sind dafür in der Gemeinde vorgesehen?

5. Nicht der angestellte Pastor steht im Zentrum der Arbeit, sondern es geht um die Befähigung und Freisetzung eines jeden Christen. Der Pastor kümmert sich darum, dass auch andere in die Leitungsaufgabe gelangen.

6. Eine jährliche Evaluation ist nötig, um das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren bzw. um effektiv weiter arbeiten zu können.

7. Coaches für die Team-Leiter sind wichtig – aber ebenso Hilfen für die Coaches selbst. Es braucht also ein umfassendes Unterstützungssystem für diese Schlüsselpersonen. Das umfasst auch fortlaufende Schulungsangebote für die Leiter, die sich fortbilden wollen.